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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Faulbaum (Frangula alnus)


Familie: Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae), Gattung: Kreuzdorn (Rhamnus)


Achtung: Giftpflanze !

Habitus: Strauch bis 3m Höhe


Stamm / Äste: violett-graubraun; glatt; mit vielen weissen Korkwarzen; ohne Dornen


Blätter: wechselständig; oval bis breit-eiförmig; 2 bis 5cm lang; ganzrandig; 7-12 leicht gebogene Seitennerven treten auf der US hervor


Blüten: in Dolden (aus den Blattachseln) à 2 bis 10 Einzelblüten angeordnet; 5 weisse Kron- und Kelchblätter (je ca. 3 mm lang); die kapuzenartigen Kronblätter umhüllen die Staubbeutel; blüht Mai / Juni


Frucht: schwarze (unreif rote), kugelige Steinfrüchte mit je 2 bis 3 Samen; Durchmesser 4 bis 7 mm


typische Standorte: Waldrand, Hecken, Auenwälder, Moore (auf nährstoffarmem, eher saurem Untergrund)


Der Name dieser Strauchart kommt von der Rinde, die einen leichten Fäulnisgeruch aufweist. Da der Aschegehalt bei der Verbrennung des Holzes sehr gering ist, wurde der Faulbaum früher zur Herstellung von Schwarzpulver verwendet. Die Beeren können ausserdem zum Färben genutzt werden. Es handelt sich um eine Giftpflanze, wo ein Verzehr auf die Schleimhaut sehr reizend wirkt und zu Erbrechen, Bauchkrämpfen und Übelkeit führen kann. Die Rinde vom Faulbaum wird jedoch auch arzneilich als «instant-Abführmittel» bei Verstopfungen genutzt, denn im Gegensatz zu den Schleimstoffpflanzen tritt die Wirkung rasch, d.h. bereits nach 8 bis 10 Stunden ein. Die Anwendung wird von HMPC sogar als «well established use» anerkannt. Die Rinde darf nicht frisch verwendet werden, da erst beim Trocknen enthaltene giftige Verbindungen (die eine Brechreiz auslösen) abgebaut werden. Für die Nutzung als Abführmittel wird die Rinde geschält, getrocknet und danach ein Jahr gelagert (alternativ ein paar Stunden auf 80 bis 100 °C erhitzt). In dieser Zeit werden diese schädlichen Stoffe oxidiert (reagieren mit Sauerstoff), was die spätere Einnahme deutlich verträglicher macht. Die getrocknete Rinde wird schliesslich als Teeaufguss konsumiert. Wegen der Gefahr von gefährlichen Nebenwirkungen wird jedoch empfohlen, nur seriöse standardisierte Präparate aus dem Handel zu verwenden (mit Dosis und Anwendung gemäss Packungsbeilage)! Faulbaumrinde ist teils auch in industriellen Tees enthalten, wo sie (missbräuchlich und fahrlässig!) als Schlankheitsmittel beworben werden.


Verantwortlich für die abführende Wirkung sind die enthaltenen Anthranoide. Diese sind hauptsächlich an Zuckermoleküle gebunden (wie z.B. Glucofrangulin A und B) und müssen nach der Einnahme erst im Darm von Bakterien gepalten werden, bevor sie ihre Wirkung entfalten können. Die Wirkstoffe verhindern im Dickdarm den Rückfluss vom Wasser und Elektrolyten zurück in den Körper gehemmt wird, resp. mobilisieren im Körper zusätzliches Wasser und Chlorid, das ausgeschieden wird. Dadurch wird einerseits der Stuhl verflüssigt, andererseits wird durch das grössere Volumen und so auch dem erhöhten Druck auf die Darmschleimhaut die Bewegung des Darmes angeregt. Die Anwendung führt zu einem Elektrolytverlust (v.a. von Kalium), was nicht nur zu gefährlichen Symptomen wie Erschöpfung, Kopfschmerzen, usw. führt, sondern auch zu Darmträgheit (also dem Gegenteil) führt. Ausserdem ist die Frage der vermuteten krebserregende Wirkungen bisher noch nicht restlos geklärt. Deshalb darf die Faulbaumrinde als Abführmittel nur für kurze Zeit, d.h. nicht länger als 7-10 Tage angewendet werden.

Es handelt sich um eine Giftpflanze und damit muss der Umgang damit sehr vorsichtig und mit Bedacht erfolgen! Nur Standartzubereitungen aus dem Handel verwenden und dabei die Packungsbeilage beachten! Bei zu hoher Dosis können Vergiftungssymptome wie Übelkeit, Erbrechen oder wässriger / blutiger Durchfall auftreten! Nicht bei Kindern unter 12 Jahren und nicht bei Schwangerschaft, resp. der Stillzeit anwenden! Nicht bei Bauchschmerzen unbekannter Ursache oder anderen Erkrankungen im Magen-Darmbereich verwenden! Es können gefährliche Nebenwirkungen mit diversen gleichzeitig eingenommenen Medikamenten entstehen! Nur kurzfristige Anwendung! Keine missbräuchliche Anwendung! Eine längerfristige Anwendung ist mit einem Elektrolyt-Ungleichgewicht verbunden!



zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus

Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

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