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Schlehe / Schwarzdorn (Prunus spinosa)

Familie: Rosengewächse (Rosaceae), Gattung: Prunus

Rosaceae Prunus spinosa Schlehe Schlehdorn Schwarzdorn Eigenschaften Merkmale Bestimmung Verwendung

Quelle: bearbeitet aus Wikipedia (Public Domain)

Blätter: verkehrt-eiförmig bis verkehrt-eilanzettlich, 2-5cm lang, fein und scharf gesägt, häufig spiralig um den Zweig angeordnet, meist drüsenlos (siehe Bestimmungsmerkmale Blätter)

Gattung Prunus allgemein: wechselständig, meist gesägt, Nebenblätter fallen früh ab, am Blattstiel mit Nektardrüsen (zur Anlockung von Ameisen, die Fressfeinde eliminieren)

 

Stamm / Äste: stark verästelt, mit Sprossdornen durchsetzt, Rinde dunkel, junge Triebe rotbraun und behaart (jedoch rasch verkahlend)

 

Habitus: Strauch bis 3m Höhe,

 

Blüten: einzeln oder zwei zusammen, Durchmesser ca. 1.5cm, Kronblätter weiss (z.T. rosa), gestielt (Stiel jedoch kurz), blüht März/April vor dem Blattaustrieb, stark duftend (Mandelaroma)

Familie Rosengewächse (Rosaceae) allgemein: radiärsymmetrisch, 5 Kron- und 5 Kelchblätter, viele Staub- und Fruchtblätter

Gattung Prunus allgemein: Blütenboden becherförmig und innen mit Nektardrüsen, Kronblätter rund bis oval und am Grund rasch ausdünnend («kurz genagelt»), Kron- und  Kelchblätter fallen nach dem Verblühen oft ab, nur ein Fruchtblatt, Fruchtknoten mittelständig

 

Früchte: kugelig, blau, dunkel bereift, grünes Fruchtfleisch, Durchmesser ca. 1-2cm. ab ca. Oktober bis November reif (vorher sauer)

Gattung Prunus allgemein: einsamige Steinfrucht, Steinkerne enthalten Blausäureglykoside (v.a. Amygdalin)

 

Vorkommen allgemein: Waldrand, Hecken, verwilderte Weinberge, felsige Hänge

 

typische Standorte: leicht feuchte, eher saure, helle Standorte

 

Giftigkeit: Der Steinkern ist roh leicht giftig (Blausäureglykoside), auch die Blüten enthalten sehr wenig Blausäureglykoside und sollten daher nicht in hohen Mengen konsumiert werden

 

gefährliche Verwechslungen: keine :-)

 

Inhaltsstoffe: Früchte: Gerbstoffe, Anthocyane, Zucker, Vitamin C, im Steinkern Blausäureglykoside

Wirkungen: Blüten eventuell leicht abführend

durch den Gerbstoffgehalt wirken die Früchte im Mund adstringierend, bzw. ein Teeauszug wirkt beim Gurgeln im Mund-Rachen, bzw. beim Verzehr im Magen-Darm-Trakt lokal antibakteriell und entzündungshemmend

Die Blüten der Schlehe, die reichlich Nektar absondern, sind für viele Insekten eine wichtige Nahrungsquelle. Die Dornen wiederum stellen eine effektive Abwehr gegen grössere Pflanzenfresser dar. Offene Flächen kann die Schlehe, durch die Fähigkeit zur vegetativen Vermehrung via Wurzelausläufer, rasch besiedeln. Damit werden aber auch andere (kleinere) Arten rasch verdrängt. Nicht nur die Äste, sondern auch die Wurzeln sind dicht verzweigt, weshalb sich die Schlehe gut zur Bodenbefestigung eignet. Den Schlehen wurden früher eine wirksame Abwehr gegen «Hexen» zugeschrieben und nicht zuletzt deshalb wurde sie als Heckenpflanze sehr geschätzt und gefördert. Ihre Früchte waren waren aber auch ein wichtiges Nahrungsmittel. Das Holz ist sehr hart und wurde früher durch ihre Form und Dicke z.B. zur Herstellung von Spazierstöcken verwenden. Aus der Rinde wurde eine rote Tinte hergestellt.

 

Die Schlehe gehört zur Gattung Prunus. Dazu gehört auch die Vogel-Kirsche (Prunus avium), welche die wilde Form der kultivierten Süss-Kirsche darstellt. Auch sonst befinden sich darunter zahlreiche Kulturfrüchte, wie z.B. die Pflaume (Prunus domestica subsp. insititia), Aprikose (Prunus armeniaca), Pfirsich (Prunus persica), Kirschpflaume (Prunus cerasifera), etc. Insbesondere in Gärten oder Parks, aber auch auf Wiesen/Äckern, werden solche Arten häufig als Kulturpflanzen angepflanzt. Wichtig: Weil bei all denen die Blüten ähnlich aussehen, können diese rasch mit der Schlehe verwechselt werden!

 

Die Blütezeit der Schlehe erfolgt vor dem Blattaustrieb. Wenn du den Strauch anhand der Blüten bestimmt, kannst du also als erstes schauen ob dabei gerade auch Blätter austreiben oder schon ausgetrieben sind. Falls nein, dann kann es nebst der Schlehe auch noch ein Aprikosen- oder Mandelbaum sein. Bei diesen zwei ist die Blüte jedoch über 2cm gross, die Kronblätter meist hellrosa und die Äste weisen keine Dornen auf. Sobald die Blätter ausgewachsen sind, ist die Blattlänge (bei der Schlehe 2-5 cm) ein wichtiges Kriterium, denn dieses beträgt bei allen anderen heimischen Arten über 4cm. Gegenüber der Kirschpflaume (Prunus cerasifera), mit sehr ähnlicher Blattform, sind die scharfen Zähne (Kirschpflaume eher gekerbt), die rotbraune Färbung der jungen Triebe (bei Kirschpflaume grünlich) und das Vorhandensein von Sprossdornen wichtige Unterscheidungsmerkmale.

Verwendung

 

Blätter: Tee, feingehackt als Gewürz

 

Blüten: roh als Gewürz oder Tee, mit Zuckerwasser besprüht als kandidierte Beigabe

wegen dem (geringen) Gehalt an Blausäureglykoside nicht in Unmengen konsumieren

 

Früchte («Oliven des Nordens»): roh als Nascherei direkt vor Ort (Kerne ausspucken!), verarbeitet als Mus oder Marmelade, Schlehenwein, getrocknet und vermahlen als Streckmehl, Fruchtkerne geröstet als Kaffee (nicht roh verwendet!)

für einen milderen Geschmack nach dem ersten Frost pflücken (vorher sauer) oder einige Stunden im Tiefkühlfach lagern.

mögliche Verwechslungen

Kirschpflaume (Prunus cerasifera) - ungiftig/essbar (ausser Steinkern!), ähnliche Verwendung

 

Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blattform

  • Form und Farbe der Blüte

  • Blüten einzeln oder zu zweit, gestielt, erscheinen mit den Blättern

 

Unterschiede

  • Blätter deutlich grösser (5-8cm lang), Blattrand eher gekerbt

  • Blüten grösser (2 - 2.5cm), in der Mitte oft rosa gefärbt

  • junge Zweige grün (Sonnenseite rötlich) und kahl, Äste ohne Dornen

  • kann auch ein Baum bis 10m Höhe sein

  • Früchte rot (z.T. auch gelb) und 2-3cm gross, bereits im Sommer reif

  • in der freien Natur Mitteleuropas nur selten anzutreffen, da es eine vorwiegend kultivierte Pflanze ist (ursprünglich aus dem Balkan / Orient), häufige Zierpflanze in Gärten und Parks

Kirschpflaume Eigenschaften Verwechslung Unterscheidung Schlehe

Quelle: zusammengesetzt und bearbeitet aus eigenem Bild,  Dellex - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38496960 (Frucht) und Helge Klaus Rieder - Eigenes Werk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=107124774 (Blüte nah)

 

Pflaume (Prunus domestica) ungiftig/essbar (äusser Steinkern!), ähnliche Verwendung

Die Pflaume weist zahlreiche Unterarten wie Zwetschge (subsp. domestica), Pflaumenbaum (subsp. insititia), Mirabelle (subsp. syriaca), etc. auf.

 

Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Äste je nach Unterart mit Dornen (wie z.B. bei Zwetschge oder Pflaumenbaum)

  • Form und Farbe der Blüten, diese gestielt, Blüten einzeln oder zu zweit

 

Unterschiede

  • Blätter oval und deutlich grösser (5 - 8cm lang)

  • Rinde graubraun, fast glatt, je nach Unterart können die Triebe erst im 2. Jahr verkahlen

  • Blüten erscheinen mit den Blättern, Kronblätter oft etwas grünlich, grösser (2-4cm)

  • können auch Bäume bis 10m Höhe sein

  • Durchmesser der Früchte >2cm

  • sind in der freien Natur nur selten anzutreffen, da es kultivierte Pflanzen sind

Pflaume Eigenschaften Verwechslung Unterscheidung Schlehe

Quelle: zusammengesetzt und bearbeitet aus Lucyin - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=89037096 (Blüten) und Rasbak - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=72101995 (Früchte)

 

Aprikose (Prunus armeniaca), Pfirsich (Prunus persica) oder Mandelbaum (Prunus dulcis) - ungiftig/essbar (äusser Steinkern!), ähnliche Verwendung

 

Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Form der Blüte,

  • Blüte einzeln oder zu zweit

  • bei Aprikose und Mandelbaum erscheinen die Blüten vor dem Laubaustrieb

 

Unterschiede

  • Blattform (Aprikose: rund bis herzförmig, Pfirsich und Mandelbaum: (ei-)lanzettlich), meist deutlich grösser (bei Mandelbaum ähnliche Länge)

  • ohne Dornen

  • Blüten kaum gestielt bis sitzend, Kronblätter meist hellrosa (z.T- aber auch weiss)

  • Durchmesser der Blüten grösser (Aprikose: ca. 2.5cm Pfirsich: 2.5-3.3cm, Mandelbaum: 3-5cm)

  • Aussehen und Grösse der Früchte

  • sind in der freien Natur nur selten anzutreffen, da es kultivierte Pflanzen sind

Pfirsich Eigenschaften Verwechslung Unterscheidung Schlehe

Quelle: zusammengesetzt und bearbeitet aus KENPEI - KENPEI's photo, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1881170 (Blüte) undSchwäbin (Wikimedia)License: CreativeCommons by-sa-3.0-de (deed), CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15784839 (Früchte)

 

Vogel-Kirsche (Prunus avium), Felsenkirsche (Prunus mahaleb), Traubenkirsche (Prunus padus) -  ähnliche Verwendung, bei der Traubenkirsche ist wegen der Blausäure Vorsicht geboten!

 

Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Form und Farbe der Blüte

 

Unterschiede

  • Blätter deutlich grösser

  • Farbe und Struktur der Stämme/Äste, Äste ohne Dornen

  • Blüten erscheinen mit oder nach den Blättern

  • mehrblütige Blütenstände

Quellen

Dietrich Frohne (2021) – Heilpflanzenlexikon, Ein Leitfaden auf wissenschaftlicher Grundlage, 9. durchgelesene Auflage 2021, ISBN 987-3-8047-4200-0 (E-Book)

Flora Helvetica für Smartphones und Tablets Version 2.3.1 (2021)

 

Lars Konarek (2017) – BUSHCRAFT, Survivalwissen Wildpflanzen Europas, e-ISBN 978-3-7020-2002-6

Otmar Diez (2019) – Unsere essbarem Bäume und Sträucher, 81 Arten sicher bestimmen, Achtsam sammeln, einfach zubereiten, ISBN 978-440-16465-5

Rita Lüder (2018) – Grundlagen der Feldbotanik, Familien und Gattungen einheimischer Pflanzen, 2. Auflage 2022, ISBN 978-3-258-08262-2

Rudi Beiser (2014) – Unsere essbaren Wildpflanzen, Bestimmen, sammeln und zubereiten, ISBN 978-3-440-14514-2.

Steffen Guido Fleischhauer, Jürgen Guthmann und Roland Spiegelberger (2020) – Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen, 2000 Pflanzen Mitteleuropas, Bestimmung, Sammeltipps, Inhaltsstoffe, Heilwirkung, Verwendung in der Küche, 12. Auflage, ISBN 978-3-03800-752-4.

https://de.wikipedia.org/wiki/Schlehdorn

https://de.wikipedia.org/wiki/Prunus

https://de.wikipedia.org/wiki/Kirschpflaume

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