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Sekundäre Pflanzenstoffe der Wildpflanzen...

Aktualisiert: 17. Sept. 2023

..Gifte, Farbstoffe, Heilwirkung und Mythos.


Sekundäre Pflanzenstoffe sind ein wichtiges Thema für Leute die sich mit essbaren Wildpflanzen beschäftigen. So ist in den vielen Büchern immer wieder von «Oxalsäure», «Cumarin», «Blausäure», etc. die Rede. Dies weil es sich oft um Giftstoffe handelt und deshalb bei der Verwendung Vorsicht geboten ist oder sogar davon ganz abgeraten wird. Die in einer Pflanze enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe geben jedoch oft auch einen Hinweis auf deren Heilwirkungen.


Genau deshalb ist es wichtig, sich mit dem Thema etwas genauer zu beschäftigen. Denn nur so können Informationen aus der Wildkräuter-Literatur auch richtig eingeordnet werden. Ausserdem ist es mit dem Thema «Gift» nicht so einfach: Ob etwas für uns Menschen giftig ist oder nicht kommt auf den konkreten Stoff, die Dosis, die Zubereitung, etc. darauf an. Beispielsweise schaden uns Senföle in moderaten Mengen überhaupt nicht, bzw. werden für ihren scharfen Geschmack in der Küche sehr geschätzt und haben sogar desinfizierende Wirkungen auf die ableitenden Harnwege. Hohe Dosen führen jedoch zur Magenreizungen.

Die Knoblauchsrauke wird gerade für ihren leicht scharfen Geschmack geschätzt. Dieser wird durch Senföle verursacht. Senföle (bzw. Senföl-Glykoside) sind eine Gruppe sekundäre Pflanzenstoffe die bei den Kreuzblütlern sehr oft vorkommt.

Die Knoblauchsrauke wird gerade für ihren leicht scharfen Geschmack geschätzt. Dieser wird durch Senföle verursacht. Senföle (bzw. Senföl-Glykoside) sind eine Gruppe sekundäre Pflanzenstoffe die bei den Kreuzblütlern sehr oft vorkommen.

(Quelle:CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=123345)


Andere Giftstoffe, (wie z.B. Blausäure) können durch geeignetes Zubereiten unschädlich gemacht werden (z.B. Kartoffel). Weitere Giftstoffe, wie Oxalsäure, konsumieren wir ohne weiteres in Kulturgemüse (z.B. Rhabarber oder Spinat), so dass auch nicht grundsätzlich auf Sauerampfer oder das säuerlich-erfrischende Wald-Sauerklee verzichtet werden muss. Es kommt eben auf die Dosis drauf an.

Hin und wieder eine kleine Menge Wald-Sauerklee ist trotz der enthaltenen Oxalsäure gesundheitlich unbedenklich

hin und wieder eine kleine Menge Wald-Sauerklee ist trotz der enthaltenen Oxalsäure gesundheitlich unbedenklich

(Quelle: Field Researcher - Self-photographed, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25097783)


Beim Thema Heilpflanzen stösst man zwangsläufig auf eine Informationsflut von manchmal seriösen, vielfach aber unseriösen Quellen. Wer über ein gewisses Grundwissen über «Sekundäre Pflanzenstoffe» verfügt kann sich auch in diesem Informations-Jungle etwas besser zu recht finden. So wirken z.B. Gerbstoffe nur lokal antibakteriell (z.B. beim Gurgeln im Mund-Rachen), jedoch sicher nicht systemisch im Körper.


In diesem Artikel werde ich erst etwas grundsätzlich auf die sekundären Pflanzenstoffe eingehen. Dann erläutere ich, was es sich mit Gift- und Heilwirkungen auf sich hat. Schliesslich stelle ich die wichtigsten sekundären Pflanzenstoffe vor, u.a. auch was damit beim Sammeln und Zubereiten von essbaren Wildpflanzen beachtet werden muss und welche medizinische Wirkungen damit zusammenhängen.


Inhaltsverzeichnis





Was sind sekundäre Pflanzenstoffe?


Die Wildpflanzen als biologische Wesen bestehen aus zahlreichen Molekülen. Gewisse Stoffe sind essentiell für das «unmittelbare Überleben» der Pflanze. Fehlt einer dieser Stoffe, stirbt die Pflanze. Es handelt sich unter anderem um:

  • Kohlenhydrate: Energiegewinnung, Energiespeicherung, Baumaterial (in Form von Zellulose)

  • Proteine: Baumaterial, Enzyme (für den Stoffwechsel), Transportmoleküle, Rezeptoren

  • Lipide (u.a. Fette): Zellmembran, Hormone, Wachse, Energiespeicherung

  • Nukleinsäuren: für die DNA, RNA

  • Chlorophyll: Photosynthese

Daneben bestehen die Pflanzen aber noch auch aus zahlreichen sogenannten «Sekundären Pflanzenstoffen», als Stoffe, die zwar wichtige Funktionen erfüllen, jedoch nicht für das «unmittelbare» Überleben notwendig sind. dies sind u.a.:

  • Giftstoffe: Sorgen dafür, dass die Pflanze nicht gefressen wird, indem der Feind vergiftet wird.

bereits ca. 50 Gramm dieser Nadeln (Europäische Eibe) sind für uns Menschen tödlich!

bereits ca. 50 Gramm dieser Nadeln (Europäische Eibe) sind für uns Menschen tödlich!

(Quelle: © Manuela Manay - stock.adobe.com)


  • Duftstoffe: Sorgen entweder dafür, dass die Pflanze für den Verzehr unattraktiv wird (z.B. Bitterstoffe) oder locken bestimmte Tiere an, sei dies für die Bestäubung der Blüten oder der Verbreitung der Samen.

Blüten des Schwarzen Holunders: Der Duft («Frühsommerfeeling») ist dazu da, um Fliegen, Käfern, etc. als Bestäuber anzulocken

Blüten des Schwarzen Holunders: Der Duft («Frühsommerfeeling») ist dazu da, um Fliegen, Käfern, etc. als Bestäuber anzulocken!


  • Farbstoffe: Färben bestimmte Pflanzenteile, wie z.B. Blütenkronen oder reife Beeren, um damit gewisse Tiere als Bestäuber, bzw. Samenverbreiter anzuziehen.

durch sekundäre Pflanzenstoffe wie Anthocyanen (Gruppe der Flavonoide) entsteht die leuchtend rote Farbe der Himbeeren. Damit locken sie Vögel an, welche die Früchte essen und danach die Samen in ihrem Darm verbreiten.

durch sekundäre Pflanzenstoffe wie Anthocyane (Gruppe der Flavonoide) entsteht die leuchtend rote Farbe der Himbeeren. Damit locken sie Vögel an, welche die Früchte essen und danach die Samen in ihrem Darm verbreiten.

(Quelle: Dauni - http://www.lebensmittelfotos.com/2009/07/13/himbeeren/, Copyrighted free use, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7650560)


  • «Sonnencrème»: Auch Pflanzen müssen sich vor schädlicher UV-Strahlung schützen.

Vor allem junge Blätter nutzen Anthocyane als «Sonnencrème», wenn die Wachsschicht der Epidermis noch nicht vollständig entwickelt ist. Dies färbt die Blätter leicht rötlich (auf dem Bild: Blätter des Roten Holunder).

Vor allem junge Blätter nutzen Anthocyane als «Sonnencrème», wenn die Wachsschicht der Epidermis noch nicht vollständig entwickelt ist. Dies färbt die Blätter leicht rötlich (auf dem Bild: Blätter des Roten Holunder).


Natürlich werden auch die sekundären Pflanzenstoffe von der Pflanze gebraucht. Ohne Giftstoffe wird die Pflanze längerfristig wohl gefressen oder stark durch einen Befall von Viren/Bakterien geschädigt. Fürs kurzfristige Überleben sind sekundäre Pflanzenstoffe aber nicht von Bedeutung.


Die Vielfalt der sekundären Pflanzenstoffe ist enorm, bisher sind 200'000 Strukturen davon von bekannt! Die Stoffe werden aufgrund ihrer chemischen Struktur und den biochemischen Bildungsmechanismen in Gruppen eingeteilt. Ein Stoff kann dabei mehreren Gruppen angehören. Gewisse Stoffe können in einer Pflanze gleichzeitig sowohl als Gift fungieren, als auch weitere Funktionen ausüben.


Giftstoffe


Pflanzen sind «autotrophe» Wesen, d.h. sie bauen sich ihre organischen Moleküle (wie Baustoffe, Energiestoffe, etc.) selber aus anorganischen Substanzen (CO2, Wasser, Mineralstoffe), welche sie vom Boden oder der Luft aufnehmen. Die dazu benötigte Energie beziehen sie aus dem Sonnenlicht mit Hilfe der Photosynthese, die vor allem in den Blättern stattfindet.


Die Evolution hat nicht nur Pflanzen, sondern auch Tiere (wie z.B. uns Menschen) hervorgebracht. Im Gegensatz zu den Pflanzen sind wir Tiere ausschliesslich «heterotrophe» Wesen, d.h. wir müssen uns nur von bestehender organischer Substanz ernähren, um unseren Bedarf an Energie, Baustoffe, etc. zu decken. Auch Pilze und viele Bakterien sind übrigens heterotroph.

Gewisse Tiere fressen dabei als «Primärkonsumenten» Pflanzen (Pflanzenfresser), andere wiederum ernähren sich von anderen Tieren (Fleischfresser) und dann gibt es noch jene, die sowohl Pflanzen als auch Tiere fressen (Allesfresser, wie z.B. wir Menschen).

Rehe sind Pflanzenfresser: Pflanzen müssen sich vor ihnen schützen

Rehe sind Pflanzenfresser: Pflanzen müssen sich vor ihnen schützen!

(Quelle: Bengt Nyman from Vaxholm, Sweden - Capreolus capreolus A7R00554, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=108553243)


Pflanzenfresser brauchen den Verzehr von Pflanzen zum Überleben und dabei handelt es sich um zwei Drittel aller Tierarten! Die Pflanzen sind solchen Fressfeinden also unmittelbar ausgesetzt, zumal sie nicht nicht einfach davonrennen können. Die Pflanzen tun also gut daran, sich gegen die Pflanzenfresser, Pilze und Bakterien (und auch Viren) zu schützen. Ansonsten wären sie ihnen schutzlos ausgeliefert.


Die Evolution hat darum zahlreiche Mechanismen zum Schutz vor Fressfeinden hervorgebracht. Bei gewissen Pflanzen sind es mechanische Barrieren, wie Dornen, Stachel, Brennhaare etc. Viel verbreiteter ist jedoch breites Arsenal von Giftstoffen oder einfach Stoffe welche den Verzehr ungeniessbar machen.


Jede Art hat dabei sein eigenes Arsenal. Gewisse Stoffe werden vorbeugend gebildet und in der Pflanze gespeichert. Andere wiederum werden erst dann produziert, wenn sie von einem Fressfeind anknabbert werden. Um die Feinde der Fressfeinde anzulocken oder andere Pflanzen zu warnen, können gewisse Pflanzen auch Alarmstoffe freisetzen.

Das Alkaloid «Cholchicin» löst beim Konsum von Herbstzeitlosen auch bei uns Menschen schwere Vergiftungen aus.

Das Alkaloid «Cholchicin» löst beim Konsum von Herbstzeitlosen auch bei uns Menschen schwere Vergiftungen aus.

(Quelle: AnRo0002 - Own work, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=90072196)


Die Pflanzenfresser tun wiederum gut daran, sich gegen die Gifte der Pflanzen zu schützen. Wenn wegen den Giftstoffen keine Pflanzennahrung mehr verfügbar wäre, würden sie schlichtweg verhungern. Die Evolution hat bei den Tieren deshalb Entgiftungs-Mechanismen hervorgebracht, d.h. gewisse Stoffe können neutralisiert und unschädlich gemacht werden. Auch die Duft- und Geschmacksinne haben sich so entwickelt, dass die meisten Giftstoffe ungeniessbar, (resp. bitter) sind. Dies mit dem Ziel, dass wir gar nicht auf die Idee kommen, die entsprechende Pflanze essen zu wollen. Die Pflanzen wiederum haben zur Abwehr, nebst den Giftstoffen, auch Stoffe hervorgebracht, die zwar unsere Bitter-Rezeptoren aktivieren (d.h. bitter schmecken), ansonsten jedoch ungiftig sind.


Unser Körper kennt viele der hochpotenten Giftstoffe bereits und kann dadurch verschiedene Reaktionen wie Erbrechen oder Durchfall auslösen, so dass die Stoffe möglichst rasch wieder ausgeschieden werden. Falls es ein Stoff dennoch vom Darm ins Blut geschafft hat, werden weitere Entgiftungsprozesse ausgelöst. Gewisse Giftstoffe werden primär für die Abwehr kleinerer Tiere, Pilze oder Mikroorganismen produziert und können so bei uns Menschen (als eher grössere Organismen) womöglich keinen Schaden verursachen (sofern nicht übermässig konsumiert wird). Hinzu kommt, dass wir durch geeignete Zubereitung gewisse Gifte unschädlich machen können (z.B. Blausäure durch Kochen).


Aufgrund dieser Tatsachen sind die meisten Wildpflanzen trotz des Giftstoff-Arsenales eben doch «essbare Wildpflanzen.


Bei unseren Kulturpflanzen wurde ein Grossteil der Giftstoffe und Bitterstoffe herausgezüchtet. Aus diesem Grund sind sie schutzlos ihren Feinden ausgesetzt. Erst dadurch wird der breite Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft notwendig. Kulturpflanzen bieten uns aber einen entscheidenden Vorteil: Sie stellen unser täglicher Kalorienbedarf sicher (nur mit Wildkräutern alleine lässt sich die Welt leider nicht mehr ernähren!).

Der Einsatz von Pestiziden bei Kulturpflanzen ist die notwendige Kompensation für die weggezüchteten Pflanzenwaffen!

Der Einsatz von Pestiziden bei Kulturpflanzen ist die notwendige Kompensation für die weggezüchteten Pflanzenwaffen!

(Quelle: Maasaak - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=58015468)


Heilpflanzen


Gewisse sekundäre Pflanzenstoffe (meist Giftstoffe) haben bei geeigneter Dosierung und Zubereitung einen gesundheitlichen bzw. medizinischen Effekt auf den menschlichen Körper.


Früher waren Wildpflanzen die einzigen Medikamente, die zur Verfügung standen. Die dabei akkumulierten Weisheiten nennt man heute die «Volksheilkunde». Die Wirkung von Heilpflanzen wurden dabei sicher häufig über empirische Erfahrungen entdeckt. Doch oft waren Heilzuschreibungen und -anwendungen in spirituelle und religiöse Konzepte eingegliedert. Um die Volksheilkunde zu stehen muss immer der religiöse und kulturelle Kontext der entsprechenden Zeit berücksichtigt werden. Man ging z.B. im Mittelalter aufgrund des katholischen Weltbildes davon aus, dass die Form, Farbe oder Textur einer Pflanze einen Hinweis auf seinen medizinischen Effekt verrät («Signaturenlehre»). So werden z.B. viele roten Pflanze mit heilenden Wirkungen aufs Blut (was auch immer das bedeutet?) oder Bohnen wegen ihrer nierenähnlichen Form als Heilmittel gegen Nierenleiden assoziiert. Das dies keine wissenschaftliche Methode ist, um Ursache und Wirkung zu ergründen versteht sich dabei von selbst. Damals gab es halt einfach die heutigen Erkenntnisse über die Natur und den Körper noch nicht und so war dies (nebst zufälligen empirischen Entdeckungen) einfach die einzige zur Verfügung stehende Methode.

Wie wäre es mit dem Ruprechtskraut als Heilmittel gegen Lügen? Dies wegen der Form, die an den Schnabel von Pinocchio erinnern. Oder als Potenzmittel für Männer? Mit der Signaturenlehre kann man sich jeder / jede selbst etwas zusammenbasteln.

Wie wäre es mit dem Ruprechtskraut als Heilmittel gegen Lügen? Dies wegen der Form, die an den Schnabel von Pinocchio erinnert. Oder als Potenzmittel für Männer? Mit der Signaturenlehre kann man sich jeder / jede selbst etwas zusammenbasteln.

(Quelle: AnRo0002 - Own work, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40164725)


Mit der Aufklärung wurde bei den Heilmitteln versucht, die Mechanismen von Ursache-Wirkung zu ergründen. Der Durchbruch schuf die moderne Chemie mit den neuen Möglichkeiten, die Wirkstoffe zu isolieren und so deren chemische Struktur zu erkunden. Wurden Medikamente zu Beginn vor allem aus pflanzlichen Wirkstoffen hergestellt, kamen mit der Zeit immer mehr synthetisch veränderte Substanzen auf dem Markt. Dies mit dem Ziel, die Aufnahme in den Körper und die Verträglichkeit zu erhöhen, die Wirkung zu verbessern, sowie die Nebenwirkungen abzumindern.


Pflanzliche Heilmittel sind in der modernen evidenzbasierten Medizin jedoch nie ganz verschwunden. Die Wissenschaft, welche sich mit der medizinischen Wirkung von Heilpflanzen befasst, nennt sich «evidenzbasierte Phytotherapie». Einige Pflanzenarten haben es erfolgreich von der Volksheilkunde in die evidenzbasierte Phytotherapie geschafft. Pflanzliche Arzneimittel mit Vollzulassung müssen die gleichen Standarts wie jedes andere Medikament erfüllen, d.h. es muss u.a. die Wirksamkeit und die Sicherheit nachgewiesen werden.

Heilpflanzen für medizinische Präparate werden oft unter kontrollierten Bedingungen angebaut, weil der Wirkstoffgehalt einer Pflanze je nach Umweltbedingungen, Lebensphase und Individuum stark schwanken kann. Häufig ist nicht nur ein Wirkstoff, sondern eine Kombination diverser Stoffe für die Heilwirkung verantwortlich.


Beispiele von Heilpflanzen, dessen Wirksamkeit wissenschaftlich erwiesen ist:

  • Arnika: äusserlich angewendet (ja nicht innerlich!) als Salbe gegen Muskel- und Gelenkschmerzen

  • Beinwell: mit geeigneter Zubereitung äusserlich angewendet (Achtung Pyrrolizidin-Alkaloide) zur Heilung von Wunden und Verletzungen.

  • Thymian: bei geeigneter Zubereitung mittels Dampfinhalation (nicht als Tee!) wirksam gegen Husten

  • Baldrian: Wurzeln als Mittel gegen Schlafstörungen und Unruhe (Tee oder Fertigpräparat)

  • Goldrute: als Tee oder Fertigpräparat gegen Blasenentzündungen

  • Heidelbeeren: getrocknet oder als Tee gegen Entzündungen im Mund-Rachenraum

  • Ingwer: Pulver oder Fertigpräparat als Antibrechmittel

  • Johanniskraut: Fertigpräprarate (nicht als Tee) wirken bei leichten Depressionen gleich gut wie synthetische Antidepressiva (Achtung Nebenwirkungen!).

  • Kamille: äusserlich wirkt sie wundheilend oder gegen Entzündungen der Haut

  • Knoblauch: Fertigpräparate wirken Cholesterin- und Blutdrucksenkend (hohe Dosen nötig!)

  • Eibe: zubereitet als Medikament wirksam gegen Krebs (ja keine Selbstmedikation, da die Eibe eine tödliche Pflanze ist!)

  • Maiglöckchen: Fertigpräparate (ja keine Selbstmedikation, da Giftfpflanze!) gegen Herzinsuffizienz

  • Schwarzer Holunder: Tee oder Beerensaft wirken schweisstreibend. Man geht heuzutage allerdings davon aus, dass für diesen Effekt lediglich das heisse Wasser zuständig ist.

  • Weidenrinde: getrocknete Rinde von jungen Zweigen als Teeaufguss wirkt als Schmerzmittel.

Die Natur versorgt uns also nicht nur mit Nahrung, sondern auch mit Medizin. Die Tatsache, dass hier alte empirische Erfahrung mit moderner Medizin zusammenkommt, macht die Sache besonders spannend. Doch bei aller Euphorie muss man sich immer wieder die Grenzen der Heilpflanzenkunde bewusst machen: Die moderne Phytotherapie hat zwar gewisse Heilwirkungen der Volksmedizin bestätigt, viele scheinen jedoch unplausibel, wurden als pseudowissenschaftlich enttarnt oder sogar mit Studien widerlegt.


Die meisten Bücher, Blogs und Youtube-Videos zum Thema Wildkräuter beziehen sich bei der Angabe von Heilwirkungen auf die Weisheiten der Volksheilkunde. Man erkennt dies z.B. durch Begriffe wie «blutreinigend», «entschlackend» oder «entsäuernd», bzw. wenn einer Pflanze Allerheilswirkungen zugeschrieben werden. Eine saubere Unterscheidung zwischen «evidenzbasierter Phytotherapie» und Volksheilkunde findet man dabei selten, bzw. das Ganze kommt oft sehr verwässert daher. Auch hört man immer wieder die Behauptung, dass «Pflanzen die Heilstoffe herstellen um uns zu helfen», was doch eher einem Menschen-zentristischem Weltbild entspricht. Wenn du dich mit essbaren Wildpflanzen beschäftigst, wirst du immer wiederauf solche Quellen stossen (z.B. in Büchern, Youtube-Feed, etc).


Mit dem Erdflow-Blog will ich Naturverbundenheit in der Gesellschaft fördern und so Mitmenschen ermuntern, sich auf die Schönheit, Ruhe und Geborgenheit der Natur einzulassen. Gleichzeitig muss ich beim Thema Heilpflanzen eine eindringliche Warnung aussprechen, nicht einfach «etwas zu glauben, nur weil es schön wäre, dass es so wäre». Ich empfehle dir beim Thema Heilpflanzen sehr kritisch zu sein!


Gemäss Volksheilkunde zugeschriebene Heilwirkungen sollten immer im mythologisch-kulturellen Kontext der entsprechenden Zeit betrachtet werden und nicht einfach unkritisch übernommen werden. Bei Geschichten oder persönlichen Erfahrungen mit Heilpflanzen, sei es in der Steinzeit, im Mittelalter oder heute, müssen immer folgende Mechanismen, sie in uns Menschen angelegt sind, im Hinterkopf behalten werden:

  • Placeboeffekt: Nur schon die positive Erwartungshaltung bei der Einnahme eines Medikaments, bzw. einer angeblichen Heilpflanze kann subjektive Symptome wie Schmerzen, Unruhe, etc. lindern.

  • «post hoc ergo propter hoc»-Bias: Nach der Einnahme einer angeblichen Heilpflanze geht es dir (meist mit etwas Verzögerung) besser, also wirkt diese doch? ACHTUNG: Hier kann uns unser Gehirn uns einen grossen Streich spielen. So heilen die meisten Erkältungen auch ohne irgendwelche Heilmittel von selbst aus, einfach weil unser Immunsystem damit problemlos klarkommt. Weil unser Gehirn aber gerne zeitlich korrelierende Ereignisse zu scheinbaren kausalen Zusammenhängen verknüpft, wird die Heilung oft trotzdem der Pflanze zugeschrieben, auch wenn das gar nicht unbedingt der Fall sein muss. Dasselbe gilt auch für chronische Leiden (wie z.B. Heuschnupfen), die meist einen wellenartigen Verlauf haben. Nach der Einnahme von eigentlich unwirksamen Mittelchen, die während schlechteren Phasen eingenommen werden folgen dann oft kurzfristige Verbesserungen. Dies erfolgen jedoch nicht wegen eines kausalen Zusammenhangs mit Einnahme der Pflanze, sondern einfach aufgrund des natürlichen wellenartigen Krankheitsverlaufes.

Sogar wenn die Wirkung angeblich «wissenschaftliche überprüft wurde», ist Vorsicht geboten, denn es könnte sein, dass:

  • die Wirkung nur in Zellkulturen («in vitro») und nicht am komplexen menschlichen Organismus («in vivo») nachgewiesen wurde,

  • eine zitierte Studie von mangelhafter Qualität ist oder deren Resultate sind nicht reproduzierbar sind, oder

  • eine Studie falsch oder bewusst irreführend zitiert wird (wichtige Details werden weggelassen).

Echinaforce® (aus dem Purpur-Sonnenhut) als Heilpflanze gegen Covid-19 ist doch wissenschaftlich bewiesen! Nicht ganz, denn es handelte sich nur um eine Studie im Reagenzglas (in vitro). Dort würde auch ein hochprozentiger Schnaps die kleinen Biester abtöten. Der menschliche Organismus ist viel komplexer als ein Reagenzglas! Siehe Stellungnahme der Swissmedic mit dem schönen Zitat: «Die Daten aus einer in-vitro-Studie sind kein Beweis für die Wirksamkeit eines Wirkstoffs am Menschen (in-vivo).»

Echinaforce® (aus dem Purpur-Sonnenhut) als Heilpflanze gegen Covid-19 ist doch wissenschaftlich bewiesen? Nicht ganz, denn es handelte sich nur um eine Studie im Reagenzglas (in vitro). Dort würde auch ein hochprozentiger Schnaps die kleinen Biester abtöten. Der menschliche Organismus ist viel komplexer als ein Reagenzglas!

Siehe Stellungnahme der Swissmedic mit dem schönen Zitat: «Die Daten aus einer in-vitro-Studie sind kein Beweis für die Wirksamkeit eines Wirkstoffs am Menschen (in-vivo).»

(Quelle: H. Zell - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9855635)


Bei den pflanzlichen Arzneimitteln ist auch wichtig zu wissen, dass es sowohl auf Bundes-, als auch auf Europäischer Ebene nebst der Vollzulassung auch eine Zulassung als «traditionelle Heilpflanze» (traditional use) möglich ist. Bei diesen muss die Wirkung nicht durch wissenschaftliche Studien bestätigt werden und sie dürfen nur niedrige Dosierungen aufweisen. Solche Präparate sind oft auch sind in Supermärkten oder Drogerien erhältlich und müssen mit einem entsprechenden Hinweis wie «Diese Angabe beruht ausschliesslich auf Überlieferung und langjähriger Erfahrung» gekennzeichnet werden. Nur weil die Wirkung nicht nachgewiesen werden muss, heisst das aber nicht, dass ein solches Präparat automatisch nutzlos ist. Das Problem: Spätestens an diesem Punkt wird es für uns Laien zu kompliziert dies zu beurteilen!


Es ist für uns Laien schon fast unmöglich einen möglichst objektiven Überblick über die Pflanzenmedizin zu kriegen. Medizin und der menschliche Organismus sind komplex und für ein monatelanges Lesen von Studien haben wir keine Kapazitäten und meist auch kein Vorwissen. Etwas Hilfe bieten seriöse Bücher zu dem Thema, die sich auch an Laien richten.


Eine eher wissenschaftliche Informationsquelle sind die Monographien der «Kommission E». Dies war eine Komission im deutschen Bundesgesundheitsamt. Diese hat bis 1994 diverse Studien von pflanzlichen Arzneimittenl auf deren Wirksamkeit ausgewertet. Sie entsprechen allerdings nicht mehr dem aktuellen Wissenstand (im Jahr 2022 sind diese Infos bereits seit 30 Jahren nicht mehr aktualisiert worden!). Etwas aktueller sind die Monographien der ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy) oder der HMPC (Committee on Herbal Medicinal Products) als Komitee der Europäischen Arzneimittelagentur.


Eine einfache Art um eine Heilpflanze zuzubereiten ist ein Teeauszug. Am besten eignen sich dabei stark zerkleinere und getrocknete Pflanzenteile (es werden mehr Wirkstoffe herausgelöst als bei frischen Pflanzen). Harte Pflanzenbestandteile (z.B. Rinde) müssen ausgekocht werden. Wenn der entsprechende Wirkstoff nicht hitzestabil ist, dann ist ein über mehrere Stunden angesetzter Kaltauszug die beste Lösung. Der Nachteil von Tee ist, dass die fettlöslichen Stoffe meist nur in geringem Masse ins Teewasser gelangen. Für Letzteren eignen sich Tinkturen, d.h. mehrere Tage dauernde Auszüge mit Alkohol. Um eine höhere Wirkstoffkonzentration zu erzeugen, kann der Alkohol nach dem Auszug teilweise verdampft werden (Alkoholisches Extrakt). Wird der Alkohol vollständig entfernt, dann bleibt ein trockenes Pulver zurück (Trockenextrakt). Aus diesem können dann z.B. Tabletten hergestellt werden.


Die wirklich hochwirksamen Heilpflanzen, wie z.B. Eibe oder Herbst-Zeitlosen, würden dich in Form von Salat oder Tee schlichtweg töten, weil diese neben den eigentlichen Heilstoffen auch noch tödliche Gifte enthalten. Wenn du draussen gerne Wildkräuter sammelst, sind es also eher «sanfte Wirkungen» von denen du profitieren kannst. Dies sind Effekte wie abführend, harntreibend, schleimhautberuhigend, appetitanregend, kühlend, lokal (auf der Haut, im Mund/Rachen, Magen/Darm oder in den Harnwegen) entzündungshemmend /antibakteriell, usw.

Der Saft des Spitzwegerichs: abschwellend und schmerzlindernd bei Insektenstichen. Dazu einfach ein paar Blätter mit dem Fingern zerreiben, so dass der Saft herausgedrückt wird. Der Spitzwegerich hilft auch bei Entzündungen im Mund-Rachenraum.

Der Saft des Spitzwegerichs: abschwellend und schmerzlindernd bei Insektenstichen. Dazu einfach ein paar Blätter mit dem Fingern zerreiben, so dass der Saft herausgedrückt wird. Der Spitzwegerich hilft auch bei Entzündungen im Mund-Rachenraum.

(Quelle: Donald Hobern from Copenhagen, Denmark - Plantago lanceolata, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=63745186)


Nun noch zu Frage, warum das mit dem pflanzlichen Heilmittel am menschlichen Körper eben doch komplexer ist, als im Reagenzglas: Damit ein Stoff innerhalb des Körpers (systemisch) eine medizinische Wirkung entfalten kann, muss er in die biologischen Prozesse innerhalb der Zellen an Ort und Stelle eingreifen. Solche Stoffe sind für den Körper jedoch primär Giftstoffe, die es möglichst rasch zu eliminieren gilt. Viele potentielle Wirkstoffe werden deshalb bereits im Magen /Darm nicht oder höchstens in minimalen Mengen ins Blut aufgenommen. Falls dies trotzdem der Fall ist, werden zahlreiche Entgiftungsprozesse in Gang setzt. Deshalb kommt von den Wirkstoffen meist nicht mehr viel in der Zelle an, wo dieser sein Dienst verrichten soll. Deshalb zeigen nur wenige Wirkstofffe, bei denen ein in-vitro-Effekt nachgewiesen wurde, auch in-vivo Effekte.


Heilstoffe, die es durch alle Barrieren hindurch geschafft haben, greifen nun in den menschlichen Stoffwechsel sein. Doch weil sie eben wirken, gibt es auch unerwünschte Nebenwirkungen, bzw. ab einer gewissen Menge eine Überdosis. Nebenwirkungen werden jedoch in Kauf genommen, wenn die positive Wirkung in der Gesamtbilanz überwiegt. Nicht zuletzt deshalb, begann die Pharmaindustrie die ursprünglichen pflanzlichen Wirkstoffe chemisch zu modifizieren. Dies mit dem Ziel eine bessere Aufnahme, Verträglichkeit und Wirkung zu erzielen. Der pauschale Spruch von «natürlich ist gesünder als Chemie» gehört deshalb ins Reich der Denkfehler (man spricht vom "Naturargument").


Bei den meisten Heilwirkungen von Pflanzen, die du für deine Hausapotheke nutzen kannst, handelt es sich um lokale Wirkungen, bei denen die Wirkstoffe nicht über das Verdauungssystem vom Körper aufgenommen werden müssen, wie z.B.

  • gegen Infekte /Entzündungen / Reizungen auf der Haut ( z.B. als Umschlag oder Salbe)

  • gegen Infekte / Entzündungen im Mund-/Rachenraum (z.B. durch Gurgeln eines Teeauszuges)

  • gegen Infekte / Entzündungen im Magen/Darm (z.B. durch Trinken eines Teeauszuges oder Verzehrs von Blätter entsprechender Arten)

  • ....


Bitterstoffe allgemein


Es handelt es allgemein um Stoffe, die bei uns Menschen bitter schmecken, d.h. die Bitterrezeptoren auf der Zunge aktivieren. Die Bitterwahrnehmung hat das Ziel, uns vor Giftstoffen zu warnen. Es sind jedoch nicht alle Bitterstoffe auch tatsächlich giftig! Gewisse Pflanzen haben zur Abwehr auch Stoffe hervorgebracht, die zwar ungiftig sind, trotzdem aber unsere Bitterrezeptoren anregen (um uns den Appetit zu vermiesen).


Bei den Kulturpflanzen wurden die Bitterstoffe grösstenteils herausgezüchtet. Bittere Nahrungsmittel sind so zu einem grossen Teil aus unserem Alltag verschwunden, auch wenn sie als Verdauungsschnäpse oder in einem guten IPA-Bier weiterhin geschätzt werden. Deshalb verwundert es nicht, dass uns die meisten Stängel und Blätter von essbaren Wildpflanzen im ersten Moment eher bitter vorkommen.


In niedrigen Dosen wirken Bitterstoffe appetitanregend, regen die Sekretion von Magen- und Gallensäften an und fördern die Verdauung. Ausserdem setzt dann das Sättigungsgefühl früher ein. Das Ganze geschieht dabei über die Aktivierung der Bitterrezeptoren auf der Zunge und im Magen. Übrigens werden diese auch angeregt, wenn der subjektive Bittergeschmack durch Süsse abgeschwächt wird.


Vieles zum Thema «bitter» wird biologisch noch nicht ganz verstanden. Derzeit tut sich da vieles in der Forschung, sowohl was die Lage und Funktionsweise der Bitterrezeptoren, als auch weitere gesundheitliche Effekte betrifft. Eindeutige spruchreife Ergebnisse dazu gibt es jedoch noch nicht. Deshalb sollten Versprechen, die Bitterstoffe als Allerheilsmittel anpreisen, kritisch betrachtet werden. Wichtig: In hohen Dosen wirken Bitterstoffe reizend auf Magen-Darm und können zu Erbrechen führen!


Durch Wässern der Pflanzenteile (lauwarm, ca. 1 Stunde) kann der bittere Geschmack meist etwas abgemindert werden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass damit auch Vitamine ausgewaschen werden. Eine andere Möglichkeit zur Abminderung des bitteren Geschmackes ist die Kombination mit fetthaltigen oder süssen Speisen.


Cyanglykoside (Blausäure)

Blausäure Gewöhnlicher Hornklee

Gewöhnlicher Hornklee

(Quelle: Jerzy Opioła - {Own}, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20143132)


Die Giftwirkung von Blausäure besteht darin, dass die Zellatmung lahm gelegt wird: Der Sauerstoff kann dann nicht mehr für die Energiegewinnung verwertet werden. In den Pflanzen sind die Konzentrationen zum Glück der Regel gering und unser Körper hat über die Evolution Abwehrmechanismen aufgebaut, um bis zu einem gewissen Grad mit ihnen umgehen zu können. So kann Blausäure in unserem Körper durch ein Enzym abgebaut werden.


In verdünnter Form beschreiben viele Menschen den Geruch von Blausäure als «wie bittere Mandeln». Vielfach riechen sie aber auch gar nichts.

Struktur von Blausäure

Struktur von Blausäure


Da Blausäure auch für die Pflanzen ein Gift darstellt, liegen sie chemisch gebunden als «cyanogene Glykoside» vor. Von denen sind bisher 60 verschiedene Stoffe bekannt. Sie alle haben gemeinsam, dass sie u.a. aus einem Zuckeranteil und einem «–CN»-Teil bestehen. Erst durch eine Verletzung des Pflanzengewebes werden sie gespalten und so die Blausäure freigesetzt. Pflanzen mit etwas höherem Gehalt an «cyanogenen Glykosiden» werden deshalb zuerst zerkleinert (Freisetzung Blausäure) und anschliessend getrocknet oder (am besten mit offenem Deckel) gekocht (unter Entweichung der Blausäure).


In den Kernen von Steinobst kommt Blausäure oft vor. Hier kann diese auch eine keimungshemmende Wirkung ausüben. Sobald die Frucht gegessen und der Steinkern freigelegt wird (z.B. im Kot des Vogels unverdaut ausgeschieden), entweicht die Blausäure und die Keimung des Samens kann beginnen.


Blausäure enthalten auch die Blüten diverser essbarer Wildpflanzen, wie z.B. Traubenkirsche, Schlehe oder Hornklee. Als Tee oder Gewürze sollten diese deshalb nur sparsam verwendet werden. Blausäure kommt auch in diversen Knollengemüsen, wie Kartoffeln, Süsskartoffeln oder Maniok vor. Auch diesem Grund dürfen Letztere nicht roh verzerrt werden.

Amygdalin ist ein Beispiel eines «cyanogenen Glykosid» und kommt u.a. in den Steinkernen diverser Arten der Rosengewächse vor.

Amygdalin ist ein Beispiel eines «cyanogenen Glykosid» und kommt u.a. in den Steinkernen diverser Arten der Rosengewächse vor.


Oxalsäure

Oxalsäure Alpen-Ampfer

Alpen-Ampfer

(Quelle: Von I, Selso, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2284276)


Oxalsäure ist u.a. giftig, indem es dem Körper Calcium entzieht: Es bindet Calcium unter Bildung von Calciumoxalat. Regelmässiger Konsum von Pflanzen mit Oxalsäure führt so nicht nur zu Calciummangel, sondern auch Nierenschädigungen und Nierensteinen. Mit der Oxalsäure wird im Darm auch die Aufnahme von Eisen vermindert.


Hohe Gehalte an Oxalsäure findet man vor allem bei den Knöterichgewächsen (z.B. Ampfer, Rhabarber), Fuchsschwanzgewächsen (Mangold, Spinat, Amarant), dem Wald-Sauerklee oder Portulak. Oxalsäure kommt in kleineren Mengen sogar in Schokolade vor.


Auf den Konsum von Oxalsäure-haltigen Wildpflanzen muss nicht gänzlich verzichtet werden. Dies u.a. wegen der Tatsache, dass Oxalsäure auch in diversen Kulturgemüsen (Rhabarber, Spinat, Magold,..) vorkommt, welche bedenkenlos gegessen werden. Es kommt immer auf die Verzehrmenge, den Oxalsäure-Gehalt der entsprechenden Pflanze und der Zubereitung an. Der Körper kann bis zu einem gewissen Grad gut mit Oxalsäure umgehen. Hin und wieder eine kleine Menge an rohem Wald-Sauerklee oder Sauer-Ampfer ist deshalb gesundheitlich unbedenklich.


Durch Kochen im Wasser kann der Oxalsäure-Gehalt etwas abgemindert werden. Sie wird zwar nicht abgebaut, wandert jedoch zu einem gewissen Teil ins Kochwasser. Dieses wird anschliessend weggeschüttet. Die Effekte von Oxalsäure können auch abgemindert werden, indem die entsprechenden Wildpflanzen zusammen mit Calcium-reichen Lebensmittel (z.B. Milch, Käse, etc.) konsumiert werden. Das Calcium dieser Lebensmittel bindet die Oxalsäure bereits bevor es vom Körper aufgenommen werden könnte.

Struktur von Oxalsäure

Struktur von Oxalsäure


Gerbstoffe


Die Stoffgruppe der Gerbstoffe ist sehr heterogen. Pflanzliche Gerbstoffe werden auch Tannine genannt.

bei Eichen ist ihr Symbol für Robustheit und Langlebigkeit u.a. den Gerbstoffen zu verdanken

bei Eichen ist ihr Symbol für Robustheit und Langlebigkeit u.a. den Gerbstoffen zu verdanken

(Quelle: Arquus - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=81591026)


Sie alle schmecken bitter und verbinden sich mit Proteinen. Dadurch können sie die Hülle von Pilzen oder Mikroorganismen, aber auch generell Enzyme (wie z.B. Verdauungsenzyme), zerstören. Unter anderem hindern sie so Pilze, Bakterien etc. bei der Vermehrung. Es sind also für die Pflanzen «natürliche Desinfektionsmittel». Da die Tannine aber auch die Proteine der Pflanze selber angreifen, werden sie oft in abgetrennten Bereichen der Zelle (Vakuolen) aufbewahrt. Bäume mit hohem Gerbstoffanteil (wie z.B. Eichen) sind besonders robust und langlebig. Bei dessen Holz ist die Fäulung auch dann noch deutlich langsamer, wenn es bereits zu einem Möbel oder einem Instrument verarbeitet ist.


Gerbstoffe haben auch eine adstringierende Wirkung: Es ist der Effekt, der im Mund beim Konsum von Wein eintrifft oder wenn eine Frucht der Schlehe vor dem ersten Frost gegessen wird. Durch die Gerbstoffe wird u.a. auch die Löslichkeit von Proteinen im Wasser herabgesetzt. Treffen Gerbstoffe auf Schleimhäute (z.B. im Mund, aber auch Magen-Darm), werden so die dort enthaltenen Eiweisse ausgefällt, d.h. statt im Wasser gelöst, bilden sie nun «Eiweiss-Flocken». Dadurch entsteht im Mund das raue und pelzige Gefühl. Ausserdem ziehen sich die Schleimhäute durch eine Stimulation der Nerven zusammen.


Gerbstoffe sind auch medizinisch interessant. Sie wirken auf den Schleimhäuten von Mund-Rachenraum, bzw. Magen-Darmbereich antibakteriell. Ausserdem binden sie giftige Eiweisse oder Alkaloide, welche so teilweise unschädlich gemacht werden. Gerbstoffe dürfen nicht in zu hohen Mengen eingenommen werden, denn dann wirken sie reizend auf die Magenschleimhaut und behindern die Verdauung. Verdauungsenzyme sind eben auch Eiweisse, welche durch die Gerbstoffe blockiert werden! Gerbstoffe sind auch entzündungshemmend und bei offenen Wunden blutstillend. Die Gerbstoffe wirken dabei immer nur lokal, da sie nicht mit der Verdauung praktisch nicht aufgenommen werden.


Hohe Gerbstoffgehalte findet man u.a. in der Heidebeeren, den Wurzeln der Echten Nelkenwurz, den Blättern vieler Rosengewächse (wie z.B. Brombeere, Erdbeere, Frauenmantel, Kleiner Wiesenknopf,..) oder der Walnuss, sowie dem Holz und den Früchten von Eichen. Gerbstoffe sind auch in Getränken wie Schwarztee, Kaffee oder Wein zu finden. Bei einem Tee für heilkundliche Anwendungen muss der Auszug unbedingt warm erfolgen, da Gerbstoffe im kalten Wasser nur schwer lösch sind.


Auch technisch werden Gerbstoffe genutzt. So werden Tierhäute durch die Behandlung mit Gerbstoffen («Gerben») zu Leder verarbeitet. Dabei werden die Eiweiss-Strukturen auf der Haut miteinander vernetzt und so das Material haltbar gemacht.

bei Entzündungen im Mund-Rachenraum oder Durchfall wird, wegen den Gerbstoffen, u.a. Tee aus Brombeerblättern empfohlen.

bei Entzündungen im Mund-Rachenraum oder Durchfall wird, wegen den Gerbstoffen, u.a. Tee aus Brombeerblättern empfohlen.

(Quelle: Steve Daniels, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14207798)


Saponine


Die Saponine sind chemisch sehr vielfältig. Es sind bisher ca. 600 verschiedenen Stoffe bekannt. Gemeinsam haben sie, dass es sich um chemische Verbindungen handelt, die einen Glykosid- («Zucker») und einen «übrigen Teil» aus Triterpenen, Stereoiden oder Stereoidalkaloiden aufweisen. So werden die Saponine in «Triterpen-Sapoine», «Stereoid-Saponine» und «Stereoidalkaloid-Saponine» eingeteilt.

die Samen der Rosskastanie (giftig) werden wegen dem hohen Saponin-Gehalt in der ZeroWaste-Community als Waschmittel genutzt.

die Samen der Rosskastanie (giftig) werden wegen dem hohen Saponin-Gehalt in der ZeroWaste-Community als Waschmittel genutzt.

(Quelle: Solipsist - Eigenes Werk, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=230159)


Die Saponine sind schaumbildend (der Name kommt vom lateinischen «sapo», d.h. Seife), wenn sie im Wasser gelöst geschüttelt werden. Sie setzen die Oberflächenspannung des Wassers herab und wirken emulgierend d.h. sie können sowohl wasser-, wie auch fettlösliche Stoffe an sich binden.


Ihr Geschmack ist meist bitter. Man vermutet, dass die Saponine vor allem als Abwehrstoffe gegen Pilze dienen. Die Giftwirkung liegt u.a. darin, dass sie Zellmembrane durchlässiger machen oder sogar auflösen können. Sie werden jedoch zum Glück vom Darm sehr schlecht aufgenommen, denn im Blut würden sie die roten Blutkörperchen zerstören.


Wegen der emulgierenden Wirkung fördern die Saponine im Darm die Nahrungsaufnahme. Ausserdem sind sie cholesterinsenkend. Generell gelten sie auch als antibiotisch und entzündungshemmend (gilt nur für äusserliche Anwendung). Der Verzehr gewisser Saponine (wie sie z.B. in den Schlüsselblumen vorhanden sind) führt bei Husten zu einer schleimlösenden Wirkung. Man vermutet, dass dies über einen Reiz auf der Magenschleimhaut geschieht, welcher wiederum über einen Nervenreflex die Bronchien anregt, mehr Schleim zu produzieren.


Hohe Saponin-Gehalte findet man bei Arten der Nelkengewächse oder der Primelgewächse.


Saponine eignen sich auch zur Herstellung von Naturseifen. Dazu werden z.B. die Samen der Rosskastanie oder die Wurzeln des Seifenkrautes verwendet.

Solanin: Ein Stereoidalkaloid-Saponin, dass bei den Nachtschattengewächsen häufig vorkommt. Links sind die Zuckenanteile, rechts der Stereoidalkaloid-Anteil

Solanin: Ein Stereoidalkaloid-Saponin, dass bei den Nachtschattengewächsen häufig vorkommt. Links sind die Zuckenanteile, rechts der Stereoidalkaloid-Anteil

(Quelle: Von Original: Calvero Vektor: Calvero - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1129362)


Schleimstoffe


Dabei handelt es sich, wie es der Name schon sagt, um Stoffe, die zusammen mit Wasser einen Schleim, also eine hochviskose Lösung bilden können. Chemisch handelt es sich um eine Mischung von diversen Kohlenhydraten, die eine starke Quellfähigkeit besitzen.


Die Pflanzen verwenden Schleimstoffe als natürlicher Klebstoff oder um damit eine schleimige Schutzhülle zu bilden, die vor Austrocknung schützt. Bei Verletzungen bilden sie sich als Infektionsschutz, indem sie mit Substanzen, welche das Wachstum von Bakterien und Pilzen hemmen, kombiniert werden.


Es gibt sowohl unverdauliche, als auch verdauliche Schleimstoffe. Die Unverdaulichen können im Darm quellen und so anführend wirken (gut bei Verstopfung). Dies weil das erhöhte Volumen in der Darmwand einen Entleerungsreflex auslöst. Sie können auch Giftstoffe absorbieren, welche so gebunden aus dem Verdauungstrakt eskotiert werden. Die verdaulichen Schleimstoffe (z.B. bei den Lindenblüten) können aufgespalten und dann als Zucker aufgenommen werden.

Schleimstoffe bilden um die Schleimhäute (wie z.B. der Magenwand, aber auch Mund-Rachen) einen Schutzfilm und können dadurch allfällige Reizungen abmildern. Schleimstoffe wirken auch gegen Reizhusten. Dies weil sie um den entzündeten Rachen einen Schutzfilm bilden, was den Hustenreiz reduziert.

der Verzehr von Blättern der Linde fühlt sich wegen den Schleimstoffen etwas schleimig an

der Verzehr von Blättern der Linde fühlt sich wegen den Schleimstoffen etwas schleimig an

(Quelle: AnRo0002 - Own work, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32755408)


Schleimstoffe finden sich vor allem bei den Wegerichgewächsen (z.B. Spitzwegerich) oder den Malvengewächsen (z.B. Wilde Malve, aber auch Linden). Sie sind auch in beliebter Kulturnahrung wie Leinsamen oder Chiasamen enthalten. Letztere werden deshalb in der Küche gerne als Verdickungsmittel genutzt.


Flavonoide


Die Flavonoide sind eine grosse Gruppe verschiedener chemischer Verbindungen, von denen ca. 8’000 davon bekannt sind. Gemeinsam haben sie die Grundstruktur des Moleküls Flavan.

Das Molekül «Flavan» stellt die Grundstruktur der Flavonoide dar

Das Molekül «Flavan» stellt die Grundstruktur der Flavonoide dar

(Quelle: Von Calvero. - Selfmade with ChemDraw., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1891350)


Für die Pflanzen stellen sie vor allem Farbstoffe dar. Sie sind sehr oft an der Farbe von Blüten oder Früchten beteiligt. Es kann sich aber je nach Stoff auch um Schutz vor UV-Strahlung, Pflanzenhormone oder um Abwehrstoffe handeln. Viele Aufgaben sind auch noch unbekannt. Meist sind die Moleküle der Flavonoide an einen Zuckeranteil (Glykosid) gebunden, was sie auch wasserlöslich macht.


Diverse Flavonoide werden in der Phytotherapie verwendet, wie z.B. als Präparate vom Weissdorn gegen Herzinsuffizienz. Da Flavonoide vom Körper generell rasch ausgeschieden werden, sind zu Heilzwecken meist hohe Dosen nötig. Dafür haben sie aber meist nur wenige Nebenwirkungen.


Zu den Flavonoiden gehören u.a. die Anthocyane:


Anthocyane: Dabei entsteht unter anderem die Farbenpracht der Beeren. Je nach pH-Wert in den Zellen können dabei viele verschiedene Farben erzeugt werden. Im sauren Milieu sind es vor allem rötliche, im basischen Milieu bläuliche Farbtöne. Anthocyane sind nicht nur Farbstoffe, sondern auch Antioxidanzien, d.h. sie schützen die Zellen vor freien Radikalen. Freie Radikale bilden Lebewesen z.B. im Zuge der Exposition mit UV-Strahlung oder Umweltgiften und können dabei Zellstrukturen angreifen. Antioxidationen sind nun dazu da, diese freien Radikale unschädlich zu machen. Je mehr die Pflanze der UV-Strahlung ausgesetzt ist, desto mehr wird in den äusseren Zellschichten die Anthocyan-Produktion angeregt und desto rötlicher erscheint sie. Ein wichtiges Antioxidans im menschlichen Körper ist z.B. Vitamin C. Nach der derzeitigen Studienlage, ist es fraglich, ob die Aufnahme von pflanzlichen Anthocyanen einen gesundheitsfördernden Effekt "in vivo" zeigt.

das leuchtende Rot der Himbeere wird u.a. durch Anthocyane erzeugt.

das leuchtende Rot der Himbeere wird u.a. durch Anthocyane erzeugt.

(Quelle: ulleo on Pixabay - Pixabay archive copy, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=69837436)


Isoflavonoide: Es handelt sich um Flavonoide mit dem Grundgerüst Isoflavon. Isoflavone sind sowohl gelb färbende Farbstoffe, als auch Abwehrstoffe gegen Mikroorganismen. Sie haben eine strukturelle Ähnlichkeit zu den Östrogenen. Isoflavonoide kommen z.B. in Sojabohnen oder der Gattung Klee (wie z.B. dem Wiesen-Klee) vor. Bei den Sojabohnen wurde eine hormonelle Wirkung bei uns Menschen in diversen Studien widerlegt!

Das Molekül des Flavonoides «Isoflavon» stellt die Grundstruktur der Isoflavonoide dar.

Das Molekül des Flavonoides «Isoflavon» stellt die Grundstruktur der Isoflavonoide dar.


Alkaloide


Die Alkaloide sind eine sehr umfangreiche Stoffgruppe aus organischen Verbindungen (Moleküle, die vor allem aus Kohlenstoffatomen aufbaut sind) mit Stickstoff. Sie sind meist fettlöslich. Bis heute wurden über 10'000 verschiedene Substanzen entdeckt.

Im Milchsaft des Schlafmohns (giftig) befinden sich zahlreiche Alkaloide mit berauschender Wirkung. Das Morphin, eines von vielen wirksamen Alkaloiden im Schlafmohn, wird in der Medizin als starkes Schmerzmittel eingesetzt.

Im Milchsaft des Schlafmohns (giftig) befinden sich zahlreiche Alkaloide mit berauschender Wirkung. Das Morphin, eines von vielen wirksamen Alkaloiden im Schlafmohn, wird in der Medizin als starkes Schmerzmittel eingesetzt.

(Quelle: George Chernilevsky - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=107380171)


Alkaloide sind im Geschmack bitter. Sie können die Blut-Hirn-Schranke überwinden, und so auf das Nervensystem einzuwirken. Dies weil die Alkaloide im molekularen Aufbau Ähnlichkeiten zu unseren Botenstoffen aufweisen. Alkaloide sind also sehr oft typische Nervengifte! Die giftigen Eigenschaften vieler tödlicher Pflanzen gehen auf Alkaloide zurück, wie z.B. dem Taxin der Eibe.


Gewisse Alkaloide erfüllen aber auch die Funktion als Farbstoff (wie z.B. das Betanidin, das für die rote Farbe der Roten Bete verantwortlich ist). Eine Möglichkeit ist auch die «Stickstoffspeicherung», d.h. Stickstoff wird in den Molekülen von gewissen Alkaloiden gespeichert und so transportfähig gemacht.


Bei gewissen Alkaloiden wird die Giftwirkung, welche aufs Nervensystem abzielt, zu Berauschung genutzt. Dazu gehören einige der bekannten Drogen wie Coffein, Nikotin, Kokain, Morphin, etc. Nebst der Berauschung gibt es je nach Stoff auch zahlreiche medizinische Wirkungen: Gewisse Alkaloide werden als starke Schmerzmittel oder Hustenmittel genutzt. Sie sind dabei meist zur Selbstmedikation (z.B. als Tee) ungeeignet, da die Gefahr einer Überdosis sehr hoch ist.


Alkaloide sind in der Pflanzenwelt weit verbreitet (geschätzt bei ca. 10-20% der Pflanzenarten). In den folgenden Pflanzenfamilien kommen Alkaloide gehäuft vor: Mohngewächse (u.a. Morphium im Schlafmohn), Rötegewächse (Coffein im Kaffee), Nachtschattengewächse (u.a. Nikotin im Tabak), Hahnenfussgewächse, Doldenblütler, Hülsenfrüchte. In der Regel eher niedrige Alkaloid-Gehalte findet man bei den Lippenblütlern oder den Korbblütlern.

  Struktur von Nikotin: Alkaloide sind organische Moleküle, die Stickstoffatome (N) enthalten.

Struktur von Nikotin: Alkaloide sind organische Moleküle, die Stickstoffatome (N) enthalten.


Pyrrolizidin-Alkaloide (PA)


Es handelt sich um eine Gruppe von Stoffen, deren Grundstruktur aus dem Molekül «Pyrrolizidin» besteht. Da dieses Stickstoff enthält, handelt es sich um Alkaloide. Es dient den Pflanzen als Frassschutz und kommt vor allem bei den Raubblattgewächsen (Beinwell, Vergissmeinnicht,..), aber auch diverser Gattungen der Korbblütler (z.B. Huflattich, Wasserdost, Greiskräuter,…) vor.

Die Blüten des Huflattichs mit einem honigartigen Duft, eigen sich gut für einen Tee. Wegen den enthaltenen Pyrrolizidin-Alkaloiden ist jedoch Vorsicht geboten.

Die Blüten des Huflattichs mit ihrem honigartigen Duft, eigen sich gut für einen Tee. Wegen den enthaltenen Pyrrolizidin-Alkaloiden ist jedoch Vorsicht geboten.

(Quelle: Andreas Trepte - Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3800718)


Pyrrolizidin-Alkaloide können nicht nur über den Wildkräuter-Konsum, sondern auch über Lebensmittel wie Tee, Gewürze, Milchprodukte oder Honig aufgenommen werden. Die Tee- oder auch Gewürzmischungen können dabei mit PA-haltigen Wildkräuter verunreinigt sein. Vor allem beim Brühen des Tees wird praktisch das gesamte PA ins Getränk ausgewaschen.


Werden Pyrrolizin-Alkaloide konsumiert, wirken deren Abbauprodukte im Körper leberschädigend. Dabei sind vor allem im Nahen und Mittleren Osten zahlreiche Todesfälle bekannt, wo es über verunreinigtes Mehl aufgenommen wurde. Selten werden auch Todesfälle bei Kühen beobachtet, die getrocknetes Heu mit stark PA-haltigen Kräutern (wie z.B. Greiskräuter) gefressen haben.


Eine akute Vergiftung mit PA kann in unseren Lebensmitteln aufgrund der geringen Konzentrationen ausgeschlossen werden. Auch bei vielen PA-haltigen Wildkräutern (nicht alle!) ist eine solche unwahrscheinlich. Der Fokus liegt deshalb bei der möglichen krebserregenden Wirkung aufgrund regelmässiger Einnahme. Diese wurde im Labor anhand von Tierversuchen nachgewiesen. Ob diese Resultate auch auf uns Menschen übertragbar sind, ist unklar. Auch Leberschädigungen können nicht ganz ausgeschlossen werden. Bei diesem Thema gibt es also nach wie vor Unklarheiten und keine 100%-igen Aussagen.


Wer ganz auf PA-haltige Wildkräuter verzichtet ist auf jedenfall auf der sicheren Seite. Wer sie sich hin und wieder mal einen Huflattich oder Vergissmeinnicht gönnt, muss selbst die Verantwortung übernehmen. Von hohen Verzehrmengen, einem regelmässigen Konsum oder dem Konsum von Pflanzen mit sehr hohen PA-Gehalte (wie z.B. Greiskräuter oder Restwurz) wird jedoch abzuraten. Auch Schwangere und Kleinkinder müssen unbedingt auf den Konsum von PA-haltigen Wildkräutern verzichten!

Vom Konsum der Kreuzkräuter (= Greiskräuter) wird wegen den hohen PA-Gehalten abgeraten!

Vom Konsum der Kreuzkräuter (= Greiskräuter) wird wegen den hohen PA-Gehalten abgeraten!

(Quelle: Javier martin - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11350757)


Das Molekül des Alkaloides «Pyrrolizidin» stellt die Grundstruktur der Pyrrolizidin-Alkaloide dar.

Das Molekül des Alkaloides «Pyrrolizidin» stellt die Grundstruktur der Pyrrolizidin-Alkaloide dar.


Ätherische Öle

Echter Thymian: reich an ätherischen Ölen

Echter Thymian: reich an ätherischen Ölen

(Quelle: Rosser1954 - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41663877)


Ein ätherisches Öl ist immer eine Mischung aus zahlreichen (bis zu mehreren Hundert) verschiedenen Stoffen. Die Hauptbestandteile stellen dabei die Monoterpene dar. Es sind aber auch weitere organische Stoffgruppen, wie z.B. Phenole vertreten. Gebildet werden sie in speziellen «Öldrüsen». Ätherische Öle dürfen nicht mit den Fetten, welche wir zur Energiegewinnung nutzen können, verwechselt werden.


Die Stoffe haben gemeinsam, dass sie fettlöslich und sehr flüchtig sind, d.h. sich verdunsten rasch und rückstandslos. Dadurch erreichen sie über die Luft auch rasch die Nase. Es ist also typische Geruchsstoffe.


Deshalb verwundert es nicht, dass sie von den Pflanzen genutzt werden, um andere Tiere anzulocken. Diese Tiere können der Pflanze als Bestäuber oder zur Verbreitung der Samen dienen. Es können aber auch die Feinde von pflanzenfressenden Tieren («Pflanzenpolizei») angelockt werden, wie z.B. bei der Vogelkirsche. Diese lockt via Drüsen, die sich am Grund der Blätter binden, Ameisen an. Dieser wiederum fressen die Larven diverser Pflanzenfeinde.

Nektardrüsen der Vogelkirsche

Nektardrüsen der Vogelkirsche

(Quelle: André Abrahami - Own work, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2195527)


Ätherische Öle werden von den Pflanzen aber auch als Gifte gegen Fressfeinde und krankmachenden Mikroorganismen eingesetzt, was sich in der desinfizierenden Wirkung einiger ätherischer Öle äussert. In heissen Gegenden wird die Verdunstung ätherischer Öle auch als Kühlmittel genutzt (wie z.B. beim Thymian).


Ein hoher Gehalt an ätherischen Ölen kommt vor allem bei den Lippenblütlern vor. Es ist also kein Zufall, dass zahlreiche Vertreter von ihnen (z.B. Salbei, Oregano, etc.) als Würzpflanzen gelten. Hohe Gehalte findet man auch bei den Kieferngewächsen (Kiefern, Fichten, etc.), Doldenblütlern (z.B. Kümmel) oder einigen Gattungen der Korbblütler (z.B. Kamillen).

Der Duft der Echten Kamille ist bereits aus einer gewissen Entfernung zu riechen

Der Duft der Echten Kamille ist bereits aus einer gewissen Entfernung zu riechen

(Quelle: Johannes Maximilian - Eigenes Werk, GFDL 1.2, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=69717428)


Ätherische Öle sind auch medizinisch interessant. Sie werden nicht nur (in geringen Mengen) über den Darm, sondern auch über die Magenschleimhaut oder in die Lungen aufgenommen. Je nach Zweck werden die geeigneten Naturextrakte äusserlich (als Salbe), innerlich oder als Inhalationen verwendet. Bei Hitze verflüchtigen sich die ätherischen Öle rasch, weshalb ein entsprechender Teeauszug immer möglichst kalt und zugedeckt erfolgen sollte.


Beispiele von ätherischen Ölen sind:

  • Menthol (z.B. in Pfefferminze, Salbei,…): Es aktiviert auf der Haut, in der Nase oder dem Mund die Kälterezeptoren. Dies erzeugt ein kühlendes Gefühl, obwohl keine Temperaturveränderung erfolgt ist. Ausserdem ist Menthol ein schwaches, lokales Betäubungsmittel.

  • Thymol (z.B. im Thymian, Oregano,…): Wirkt äusserlich angewendet als Desinfektionsmittel.

  • Eugenol (z.B. in der Gewürznelke, Echte Nelkenwurz,..): äusserlich angewendet ist es ein Schmerzmittel (z.B. bei Zahnschmerzen) und wirkt antibakteriell/entzündungshemmend.

In hohen Konzentrationen wirken ätherische Öle reizend auf Haut und Schleimhäute. Bei der äusserlichen Anwendung werden sie deshalb nur verdünnt eingesetzt. Gewisse ätherische Öle können bei einigen Leute Allergien, bzw. beim Einatmen Hustenanfälle oder sogar Asthma auslösen. Deshalb ist z.B. bei der Inhalation von Fichtennadelöl Vorsicht geboten. Die EU hat eine Liste mit 54 ätherischen Ölen erstellt, bei denen eine solche Wirkung auf Menschen erwiesen ist. Daneben gibt weitere Stoffe, bei denen Allergien als wahrscheinlich gelten.


Die angenehmen Düfte von ätherischen Ölen werden auch bei Parfums, Waschmittel, Duftkerzen, etc. sehr geschätzt und eingesetzt. Sie werden entweder durch Destillation oder Extraktion aus angebauten Pflanzen gewonnen oder (in vereinfachter Form) synthetisch hergestellt.


Carotinoide


Bei den Carotinoiden, wovon ca. 800 davon bekannt sind, handelt sich einerseits um Farbstoffe. Sie sorgen z.B. für die rote Farbe der Tomate oder die orange Färbung von Karotten. Daneben wirken Carotinoide aber auch als Hilfsstoffe bei der Photosynthese (siehe Artikel «Blätter von Wildpflanzen – Eigenschaften und Funktionen»). Innerhalb der Carotinoide gibt es die Gruppe der «Carotine», die nur aus Kohlenstoff und Wasserstoff bestehen.

Nicht nur bei Karotten, sondern auch bei den Tomaten sind die Carotinoide zu einem hohen Anteil an der Färbung beteiligt.

Nicht nur bei Karotten, sondern auch bei den Tomaten sind die Carotinoide zu einem hohen Anteil an der Färbung beteiligt.

(Quelle: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=99252)


Der Einsatz von Carotinoiden ist nicht nur auf die Pflanzen beschränkt. Sie sind auch an der Farbe von Vögeln, Insekten, Käse oder Eigelb beteiligt. Tiere können Carotinoide nicht selbst herstellen und sind deshalb auf die pflanzliche Aufnahme angewiesen. Sie fungieren dabei nicht nur als Farbstoffe, sondern auch als Antioxidantien. Unter anderem aus dem Alpha-Carotin oder dem Beta-Carotin kann der Körper das Vitamin A herstellen.

Alpha-Carotin

Alpha-Carotin

(Quelle: Yikrazuul; KES47 - ISBN 978-3899471656, S. 303, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10660105)


Cumarin


Cumarin Waldmeister

Waldmeister

(Quelle: AnRo0002 - Own work, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39861028)


Cumarin verströmt den angenehmen Geruch vom Waldmeister, ist jedoch auch in vielen Gräsern enthalten und sorgt dort für den typischen «Heugeruch». Auch andere Pflanzen wie die Steinkleen oder Zimt enthalten Cumarin. Es verursacht bei der Einnahme Kopfschmerzen, Schwindel, Benommenheit, etc. Niedrige Dosen sind jedoch unbedenklich. Beim Waldmeistertee werden maximal 3 Gramm (Frischmasse!) pro Liter empfohlen. Ein erhöhtes Krebsrisiko wurde bei Tierversuchen zwar nachgewiesen, wird bei Menschen jedoch nicht angenommen.


Bekanntlich entwickelt sich der Duft vom Waldmeister erst nach dem Trocknen der Pflanze. Dies weil das Cumarin in der Pflanze als Glykosid gebunden ist. Es wird erst bei einer Verletzung unter Abspaltung des Zuckers freigesetzt.

Struktur von Cumarin

Struktur von Cumarin


Furocumarine


Furocumarine sind chemische Verbindungen, die aus einem «Cumarin»- und einem «Furanring» bestehen. Es handelt sich dabei um Abwehrstoffe gegen Mikroorganismen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie für uns Menschen ungefährlich sind: Auf der Haut (z.B. nach Kontakt mit der Pflanze) wirken Furocumarine in Verbindung mit UV-Strahlung (z.B. im Sonnenlicht) phototoxisch. Dabei entstehen verbrennungsähnliche Symptome wie Rötungen, Schwellungen oder Blasen. Ausserdem geht man von einem erhöhten Hautkrebsrisiko aus. Furocumarine werden beim Kochen nicht abgebaut. Beim Konsum werden sie vom Körper sehr gut aufgenommen und können auch dann, in Verbindung mit Sonnenlicht, auf der Haut Reizungen auslösen.


Furocumarine kommen bei den Doldenblütlern häufig vor. Das bekannteste Beispiel ist der bekannte Neophyt «Riesen-Bärenklau». Seine Furocumarine verursachen nicht nur phototoxische Symptome, sondern können beim Einatmen auch eine akute Bronchitis auslösen. Beim Riesen-Bärenklau lohnt es sich deshalb Distanz zu wahren! Bei unbeabsichtigter Berührung hilft nebst dem Abwaschen der Hautstellen auch das Auftragen von Sonnencrème.

Furocumarin phototoxisch Riesen-Bärenklau

Riesen-Bärenklau

(Quelle: AnRo0002 - Own work, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=80832934)


Der heimische Wiesen-Bärenklau enthält ebenfalls Furocumarine. Im Gegensatz zum Riesen-Bärenklau ist es hier aber kein Grund, um auf dessen süssen Blätter, der Wurzel oder den Früchten zu verzichten. Empfindliche Menschen sollten nach der Berührung oder dem Konsum sich nicht zu stark der Sonne exponieren und beim Ernten Handschuhe tragen. Wer die Pflanze am Abend oder trüben Tagen sammelt, ist dabei meist auf der sicheren Seite.


Furocumarine sind auch bei den Zitruspflanzen verbreitet.

Psoralen als Beispiel eines Fumocumarins. An das Cumarin ist rechts ein Furanring angehängt

Psoralen als Beispiel eines Fumocumarins. An das Cumarin ist rechts ein Furanring angehängt

(Quelle: Emeldir (Diskussion) - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32152335)


Herz-Glykoside


Die ca. 200 bekannten Herz-Glykoside haben gemeinsam, dass es sich um Glykoside (Moleküle mit Zuckeranteil) handelt, die bei uns Menschen den Herzschlag erhöhen und die Herzfrequenz abmindern. Man findet sie z.B. bei den Fingerhüten, dem Maiglöckchen oder der Meerzwiebel.


Das Herz-Glykosid Digitalis, das sich u.a. im (hochgifigen!) Roten Fingerhut befindet, ist ein Wirkstoff, welcher in der Medizin bei Herzinsuffizienz eingesetzt wird.

Herz-Glykoside mit dem Roten Fingerhut (tödlich!) ist nicht zu spassen!

mit dem Roten Fingerhut (tödlich!) ist nicht zu spassen!

(Quelle: Joanna Boisse - https://atlas.roslin.pl/plant/6855, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=81833370)


Senfölglykoside (Glucosinolate)

Bei den Senfölglykosiden ist «Senf» das Programm

Bei den Senfölglykosiden ist «Senf» das Programm

(Quelle: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=467845)


Es sind etwa 150 verschiedene Senfölglykoside bekannt. Es ist ein ähnlicher Mechanismus wie bei der Blausäure: Die giftigen Senföle liegen chemisch gebunden als Senfölglykoside vor. Diese werden in den Zellen getrennt von den Enzymen, d.h. innerhalb der Vakuolen gelagert. Wird das Pflanzengewebe (z.B. durch einen Biss) verletzt, werden die Barrieren aufgelöst und die Enzyme mischen sich mit den Senfölglykosiden. Erst jetzt beginnt die Spaltung und die Senföle können ihre Wirkung entfalten. Der oben genannte Prozess mit der enzymatischen Spaltung, kann gut am Verzehr (z.B. vom Wiesen-Schaumkraut, Meerrettich, Senf etc.) erfahren werden: Der Geruch entfaltet sich erst beim Verbeissen des Pflanzenteils.


Die Senföle enthalten in den Molekülen Stickstoff und Schwefel. Nebst der Funktion als Giftstoffe (u.a. gegen Bakterien und Pilzen), könnte es sich auch um Speicherstoffe für Schwefel handeln. Hohe Gehalte an Senfölglykosiden findet man bei den Kreuzblütlern (Schaumkräuter, Knoblauchsrauke, Senfe, Rettiche, Kohl, etc.). Dass zu ihnen die Gattung der «Senfe» dazugehört ist also kein Zufall.


Der Geruch der Senföle ist stechend und scharf. Senföle wirken ausserdem reizend auf die Schleimhäute und die Haut. In Zellkulturen (in vitro) zeigen Senföle eine antibakterielle und sogar antivirale Wirkung. So kann der Meerrettich bei Infekten der Harnwege eingesetzt werden.


Salicin


Salicin kommt u.a. in den Weiden (v.a. Rinde) und dem Echten Mädesüss vor. Es ist nicht nur ein Giftstoff, sondern auch ein wichtiges Pflanzenhormon. Bei uns Menschen wird es im Körper nach der Aufnahme zu Salicinsäure umgewandelt und wirkt so als Schmerzmittel. Etwas chemisch modifiziert und damit besser wirksam ist Acetylsalicylsäure, auch bekannt unter dem Namen Aspirin.

Salicin Echter Mädesüss

Echter Mädesüss

(Quelle: Stephen James McWilliam - https://www.inaturalist.org/photos/194819594, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=117770078)


Struktur von Salicin: Es ist ein Glykosid, d.h.es besteht aus einem Zucker-(links) und einem Salicylalkohol-Teil

Struktur von Salicin: Es ist ein Glykosid, d.h.es besteht aus einem Zucker-(links) und einem Salicylalkohol-Teil


Iridoide


ein Auszug des Wiesen-Augentrostes eignet sich zur Behandlung von Augenentzündungen (Achtung, der Auszug muss unbedingt steril zubereitet sein!)

ein Auszug des Wiesen-Augentrostes eignet sich zur Behandlung von Augenentzündungen (Achtung, der Auszug muss unbedingt steril zubereitet sein!)

(Quelle: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41281)


Es handelt sich um eine Stoffgruppe innerhalb der Terpene (Monoterpene). Sie schmecken besonders bitter und dienen als Frassschutz. Sie haben auch eine antimikrobielle Wirkung auf Pilze oder Bakterien. Die Giftwirkung äussert sich vor allem in der Fähigkeit Eiweisse zu zerstören. Dies schädigt nicht nur Zellen (z.B. der Bakterienhülle oder der Darmwand), sondern setzt bei Pflanzenfressern auch den Nährwert der konsumierten Wildkräuter herab.


Die giftigen Vertreter der Iridoide liegen in der Regel als Iridoidglykoside vor (an Zucker gebunden) und werden, wie die Cyanglykoside oder Senfölglykoside, von den Enzymen getrennt aufbewahrt. Durch Verletzungen des Gewebes beim Fressen der Pflanzen, werden dies Barrieren zu den Enzymen getrennt und die Iridoide freigesetzt.


Ein häufiges Iridoid ist Aucubin, welches z.B. im Spitzwegerich, den Ehrenpreisen, den Augentrosten oder den Königskerzen vorkommt. Es ist dort (gemeinsam mit anderen Iridoiden) für die entzündungshemmende, schmerzlindernde, aber auch antibiotische Wirkung verantwortlich. Der medizinische Einsatz beschränkt sich jedoch auf äusserliche Anwendungen. So kann der Saft des Spitzwegeriches bei Insektenstichen, bzw. Auszüge des Augentrostes bei Augenentzündungen verwendet werden. Durch das Trocknen der Kräuter baut sich das Aucubin ab.


Lektine


Lektine sind eine Gruppe komplex aufgebauter Proteine oder Glykoproteine (Proteine mit Kohlenhydrat-Anteil). Sie können sich an Kohlenhydratstrukturen (d.h. u.a. an Zelloberflächen) binden. Je nach genauer Lektin-Verbindung können dabei diverse Stoffwechselvorgänge ausgelöst werden. Dabei kann es sich z.B. um Botenstoffe, aber auch Giftstoffe handeln. So können beim Verzehr (je nach Stoff und Dosis) diverse Beschwerden wie Durchfall, Erbrechen, Kopfschmerzen, etc. ausgelöst. werden und rote Blutkörperchen zum Verklumpen gebracht werden. Auch tödliche Folgen sind möglich, wie z.B. beim Verzehr des hochgiftigen Rizins, das in den Samen des Wunderbaumes (Ricinus communis) enthalten ist.


Diverse Arten der Schmetterlingsblütler enthalten Lektine. Sie werden meist durch Erhitzen (z.B. Kochen) unschädlich gemacht (Denaturierung der Eiweisse). Aus diesem Grund sollte man Kulturgemüse wie Gartenbohne oder Sojabohnen nicht roh konsumieren. Andere Lektine sind wiederum hitzestabil, wie z.B. diejenigen im Vollkornweizen. Doch zur Beruhigung: Viele Lektine, die regelmässig in unserem Verdauungstrakt (durch Konsum von Getreide, Gemüse, etc.) landen, wirken nicht toxisch, bzw. unser Körper kann problemlos damit umgehen. Dies weil die aufgenommenen Mengen sehr gering sind oder Schutzmechanismen vorhanden sind.


Terpenoide


Hierbei handelt es sich um eine vielfältige Gruppe an Stoffen. Bisher sind davon ca. 30'000 bekannt. Gemeinsam haben die verschiedenen Terpenoide, dass sie sich in Grundeinheiten von Isopren zerlegen lassen. Die biochemischen Vorgänge sind dabei sehr komplex. Für die Terpenoide wird oft auch der Begriff «Terpene» verwendet. Bei Terpenen im eigentlichen Sinne, handelt es sich um Terpenoide, die nur aus Kohlenstoff- und Wasserstoff-Atomen bestehen.

Isoporen: Der Grundbaustein aller Terpenoide

Isoporen: Der Grundbaustein aller Terpenoide


Taxol (u.a. in den Eiben vorhanden) ist ein Beispiel eine Diterpenoides. Dieses komplexe Molekül ist aus der Sythnese von «4 Isopren-Einheiten» entstanden. Da das Molekül auch Stockstoffatome enthält, ist es auch ein Alkaloid.

Taxol (u.a. in den Eiben vorhanden) ist ein Beispiel eine Diterpenoides. Dieses komplexe Molekül ist aus der Sythnese von «4 Isopren-Einheiten» entstanden. Da das Molekül auch Stockstoffatome enthält, ist es auch ein Alkaloid.


Je nachdem wie viel Isopren-«Bausteine» im Molekül vorhanden sind, unterteilt man die Terpeoide in Gruppen:

  • Hemiterpene («1 Isopren-Baustein»): Je nach Stoff dienen sie als Pflanzenhormone, zum Membranschutz bei Hitze oder als Giftstoff

  • Monoterpene («2 Isopren-Bausteine»): Sie sind die Hauptbestandteile der ätherischen Öle. Je nach Stoff dienen sie als Giftstoff, Abschreckstoff oder als Lockstoff.

  • Sesquiterpene («3 Isopren-Bausteine»): wirken unter anderem als Gifte gegen Insekten

  • Diterpene («4 Isopren-Bausteine»): Wirken je nach Stoff als Gifte (z.B. Taxol), aber auch als Phytohormone (Gibberelline).

  • Triterpene («6, resp. 2*3 Isopren-Bausteine»): Wiederum eine vielfältige Gruppe mit diversen Funktionen. Ein Beispiel ist das Betulin, welches für die weisse Farbe der Birkenrinde zuständig ist.

  • Tetraterpene («8, resp. 2*4 Isopren-Bausteine): Dazu zählen u.a. die Carotinoide

  • Polyterpene (mehr als 500 Isopren-Bausteine): z.B. Kautschuk.


Phenole


Phenole sind eine organische Stoffgruppe, bei denen die Moleküle aus einem aromatischen Ring und einem oder mehreren daran gebundenen OH-Gruppen besteht. Sie sind u.a. Bestandteil von ätherischen Ölen.


Beispiele von Phenolen: Das einfache «Phenol» mit das etwas komplexere Thymol

Beispiele von Phenolen: Das einfache «Phenol» mit das etwas komplexere Thymol



Kieselsäure


Unsere Erdkruste besteht grösstenteils aus Mineralien mit einem Siliziumdioxid-Gerüst (d.h. Sauerstoff und Silizium). Kieselsäuren im engeren Sinne sind eigentlich Moleküle, die nebst dem Silikatgerüst zusätzlich noch Wasserstoffatome enthalten. Die einfachte Form davon ist Orthokieselsäure (H4SiO4.). Es handelt es sich um eine schwache Säure.


Üblicherweise werden aber auch Siliziumdioxid-Verbindungen die kein Wasserstoff enthalten als Kieselsäure bezeichnet. Der Aufbau der Siliziumdioxidegrüste kann dabei sehr variabel sein. Es kann in kristalliner Form (mit regelmässig angeordneter kristalliner Struktur) oder amorph (Struktur ohne vorgegebenem Muster) vorliegen. Ein häufiges Mineral ist dabei Quarz, also reines Silizumdioxid (SiO2).

Das Mineral Quarz ist reines Siliziumdioxid mit einer geordneten Kristallstruktur

Quelle: Didier Descouens - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9065051


SiO2 in amorpher Form, ist am Skelett-Aufbau zahlreicher Lebewesen beteiligt, wie z.B. den einzelligen Radiolarien oder Kieselalgen (Diatomeen). Das Stützgewebe vom Pflanzen besteht vor allem aus Lignin, doch je nach Art kann auch Kieselsäure daran beteiligt sein. So enthalten Schachtelhalme (Equisetum) besonders viel Kieselsäure (ca. 10%). Die Sprossachse ausgewachsener Exemplare wird dabei sogar so hart, dass sie als Bürsten genutzt werden können. Übrigens besteht auch das Stützgewebe der Brennnessel-Haare aus Kieselsäure.

Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense)

Quelle: Joanna Boisse - https://atlas.roslin.pl/plant/6935, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=81812025


Präparate aus dem kieselsäurereichen Schachtelhalm oder auch Nahrungsergänzungsmittel werden für stabile Knochen oder straffere Haut beworben. Letzten Endes ist dies aber pseudowissenschaftlicher Bullshit!


Dass die Knochen und Zähne von uns Menschen aus Kieselsäure bestehen würde, das stimmt nicht! Denn es wird zurecht immer wieder auf die Wichtigkeit des Kalziums beim Aufbau der Knochen hingewiesen, da dessen anorganisches Stützgewebe vor allem als einer Apatit-ähnlichen Struktur besteht, also einem Gerüst aus Kalizium, Phosphor und Hydroxiden. Silizium ist in unserem Körper aber trotzdem in ganz geringen Anteilen vorhanden. Es ist dabei an diversen, noch nicht nicht ganz verstandenen physiologischen Vorgängen beteiligt, möglicherweise auch an der Bildung von Knochen oder der Straffung vom Bindegewebe der Haut.


Unser Körper muss also eine gewisse Menge an Silizium über die Nahrung aufnehmen, doch diese Menge ist sehr gering. So nehmen wir mehr als genug Kieselsäure über unsere alltägliche Nahrung und mit Trinkwasser auf. Deshalb brauchst du Schachtelhalm, noch teure Nahrungsergänzungsmittel!


Quellen


Dietrich Frohne (2021) – Heilpflanzenlexikon, Ein Leitfaden auf wissenschaftlicher Grundlage, 9. durchgelesene Auflage 2021, ISBN 987-3-8047-4200-0 (E-Book)


Dr. Jörg Grünwald und Christof Jänicke (2004) – Grüne Apotheke, das Standartwerk zur Pflanzenheilkunde, 3. Auflage 2021, ISBN 978-3-8338-4541-3


Joachim W. Kadereit, Christan Körner, Benedikt Kost und Uwe Sonnewald (2014) – Strasburger Lehrbuch der Pflanzenwissenschaften, 37. Auflage, ISBN 978-3-642-54435-4 (eBook)


Johannes Vogel (2017) - Pflanzliche Notnahrung, Survivalwissen für Extremsituationen, 2. Auflage 2017, ISBN 978-3-613-50763-0


Lars Konarek (2017) – BUSHCRAFT, Survivalwissen Wildpflanzen Europas, e-ISBN 978-3-7020-2002-6

Manuel Larbig (2021) – Mein Wildkräuter-Guide, Von Rauke, Rapunzel und anderen schmackhaften Entdeckungen am Wegesrand, ISBN 978-3-641-26980-7


Petra Schilling (2022) – Heilpflanzen: natürlich – sicher – wirksam?, Skeptiker, Zeitschrift für Wissenschaft und kritisches Denken, Ausgabe 1/2022.


Professor Dr. Robert Fürst (2018) – Pflanzliche Arzneimittel – was wirklich wirkt. Erstauflage 2018, ISBN 978-3-7741-1389-9 (E-Book).


Rita Lüder (2004) – Grundkurs Pflanzenbestimmung, Eine Praxisanleitung für Anfänger und Fortgeschrittene, 9. Auflage 2020, ISBN 978-3-494-01844-7

Steffen Guido Fleischhauer, Jürgen Guthmann und Roland Spiegelberger (2020) – Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen, 2000 Pflanzen Mitteleuropas, Bestimmung, Sammeltipps, Inhaltsstoffe, Heilwirkung, Verwendung in der Küche, 12. Auflage, ISBN 978-3-03800-752-4.


https://de.wikipedia.org/wiki/Anthocyane

https://de.wikipedia.org/wiki/Aucubin