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Feld-Thymian / Quendel (Thymus serpyllum aggr.)

Familie: Lippenblütler (Lamiaceae), Gattung: Thymian (Thymus)

Feld-Thymian / Quendel essbar; Bestimmung / Merkmale / Verwendung; Heilpflanze;

Blätter: kreuzgegenständig, sitzend bis kurz gestielt, oval (rund bis lanzettlich), am Grund in den Stiel verschmälernd, klein (3mm bis 1cm lang), meist ganzrandig, kahl bis behaart (siehe Bestimmungsmerkmale Blätter)

 

Stängel: 4-kantig (bis fast rund), obere Bereiche krautig, oft örtlich überlaufen, untere Bereiche verholzt (Halbstrauch)

 

Blüten: am Stängelende in kugeliger bis kegelförmiger Ähre angeordnet, die aus mehreren Stockwerken von Scheinquirlen aufgebaut sind
Einzelblüte rosa bis purpurn, klein (Krone 3-6mm lang)
blüht April bis September

Lippenblütler (Lamiaceae) allgemein: Einzelblüte mit charakteristischem Aufbau (Lippenblüte): zygomorph, 5 verwachsene Kronblätter bilden eine Kronröhre, obere 2 Kronblätter bilden die Oberlippe, bzw. untere 3 die Unterlippe, 5 verwachsene Kelchblätter bilden eine Kelchröhre, die zu spitzen Kelchzähnen ausfranst, 4 Staubbätter (2 lange und 2 kurze), 2 verwachsene Fruchtblätter bilden einen oberständigen, synkarpen Fruchtknoten mit je 2 Samenanlagen, Griffel verzweigt zu 2-teiliger Narbe

 

Früchte: mit Elaiosom

Lippenblütler (Lamiaceae) allgemein: 4-teilige Klausenfrucht (4 Nüsschen, die unreif zusammengewachsen sind und sich danach voneinander lösen), die in der Kelchröhre eingebettet sind

Vorkommen allgemein: helle, trockene, nährstoffarme (meist kalkhaltige) Standorte

typische Standorte: Trockenwiesen, Gebirgsrasen, Fels und Schutt, Föhrenwälder (vom Tiefland bis 3000 m ü. M.)

Inhaltsstoffe: Ätherische Öle (u.a. Carvacrol, Thymol, Terpene), Flavonoide, Gerbstoffe

 

Wirkungen: Der Echte Thymian (Thymus vulgaris), sein mediterraner Bruder, ist wegen den enthaltenen Ätherischen Ölen (v.a. Thymol) bekannt für diverse Heilanwendungen. So wirkt dessen Tee bei Husten schleimlösend (auswurffördernd). Bei Infekten der oberen Atemwege kann man sich die antimikrobielle Wirkung der ätherischen Öle durch eine Dampfinhalation zunutze machen. Dabei werden die Pflanzenteile mit heissem Wasser übergossen und der daraus entweichende Dampf inhaliert (alternativ kann auch ein Bad mit Thymian-Badezusätzen genommen werden). Dabei führen die enthaltenen Flavonoide zusätzlich zu einer Linderung von Hustenkrämpfen, bzw. wirken bei Asthmaanfällen lindernd. Ein Gurgeln des Teeauszuges kann bei Endzündungen im Mund-Rachenbereich, sowie bei Mundgeruch angewendet werden. 

 

Die Wirkungen gelten dabei auch für den Feld-Thymian, sind aber durch die geringeren Gehalte an ätherischen Ölen weniger stark ausgeprägt. Falls die Anwendung als Heilpflanze das Ziel ist, solltest du deshalb nur besonders stark duftende Exemplare sammeln.

 

Quellen: AnRo0002 - Own work, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=78646724 (Blätter), AnRo0002 - Own work, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=50218131 (Blüten) und NoRud - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=60830726 (Gesamtpflanze)

Es handelt sich um einen 2 bis 10 cm hohen Halbstrauch. Die verholzten Bereiche des Stängels haben teils kriechende Ausläufer und können so lange Polster über Steine, Blöcke oder auch Strassen bilden. 

 

Der bei uns in Mitteleuropa heimische Feld-Thymian ist nicht zu verwechseln mit dem «Echten Thymian» (Thymus vulgaris), der in der mediterranen Küche und als Gartenpflanze sehr geschätzt wird. Der typische aromatische Thymian-Duft findet man aber auch beim Feld-Thymian, auch wenn dieser etwas schwächer ausgeprägt ist. 

Der typische Duft wird durch die Ätherischen Öle versursacht, die u.a. an der Blattunterseite an speziellen Drüsen abgesondert werden. Deren Verdunstung kühlt dabei die Pflanzenteile, was wiederum die Verdunstung des Wassers vermindert. Unter anderem mit dieser Strategie ist der Feld-Thymian an hellen, trockenen Standorten erfolgreich.

 

Beim Feld-Thymian handelt es sich um eine Gruppe aus mehreren sich ähnlich aussehenden Arten. Die zwei häufigsten Arten sind der Frühe Feld-Thymian (Thymus praecox) und der Arznei-Thymian (Thymian pulegioides). Typisch für alle Arten der Gruppe ist die Ausbildung als Halbstrauch, die kleinen Blätter, der charakteristische Thymianduft, die rund bis kegelförmige Form des Blütenstands, sowie die kleinen rosa bis purpurnen Einzelblüten. Je nach Art unterschiedlich ist die Blattform und die Behaarung, sowie der genaue Stängelquerschnitt. Verschieden ist auch die Intensität und genaue Ausbildung des Thymianduftes. Dies nicht nur je nach Art, sondern auch je nach Pflanze (bzw. «Kleinrasse»). 

 

Früher Feld-Thymian (Thymus praecox): Blätter rund bis oval (1-2x so lang wie breit), Blattgrund bewimpert, aromatischer Duft nur schwach, Vorkommen an hellen, trockenen, nährstoffarmen, kalkhaltigen Standorten. Man unterscheidet die zwei Unterarten:

 

  • Gebirgs-Feld-Thymian (Thymus praecox subsp. polytrichus): Blatt-OS kahl bis leicht behaart, Stängel an zwei gegenüberliegenden Flächen dicht behaart (die zwei anderen Seiten kahl bis leicht behaart) blüht Juni bis September, in tieferen Lagen selten

Feld-Thymian / Quendel essbar; Bestimmung / Merkmale / Verwendung; Heilpflanze;  Gebirgs-Feld-Thymian praecox subsp. polytrichus

Quelle: bearbeitet aus User:Tigerente - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=878968

  • Frühblühender Thymian (Thymus praecox subsp. praecox): Blatt-OS kahl und glänzend, Stängel rundum behaart und fast rund, die unteren Blätter an den «Blühtrieben» (Triebe, die am Ende einen Blütenstand ausbilden) sind etwas kleiner ausgebildet, blüht April bis August (früh!), Vorkommen an sehr trockenen und sehr hellen (trockenwarmen) Standorten (in CH v.a. im Wallis)

Feld-Thymian / Quendel essbar; Bestimmung / Merkmale / Verwendung; Heilpflanze;  Frühblühender Feld-Thymian (Thymus preaecox subsp. praecox)

Quelle: bearbeitet aus Stefan.lefnaer - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=99256772

Arznei-Feld-Thymian (Thymus pulegioides): Blätter oval bis länglich-oval (1.5 bis 3x so lang wie breit), Stängel an den Kanten dicht behaart, bzw. unterhalb der Blütenstände scharf 4-kantig, bildet keine Ausläufer, blüht April bis August, sehr aromatisch, Duft teils zitronig (wenn «Citronellol» enthalten ist), Vorkommen an hellen, trockenen, nährstoffarmen, Standorten. Man unterscheidet die zwei Unterarten:​

  • Arznei-Thymian (Thymus pulegioides subsp. pulegioides): Blätter meist kahl (z.T. randlich bewimpert), Stängel an den Flächen meist kahl, Vorkommen an eher kalkarmen Standorten (in CH v.a. Westschweiz)

Feld-Thymian / Quendel essbar; Bestimmung / Merkmale / Verwendung; Heilpflanze;  Arznei-Thymian (Thymus pulegioides subsp. pulegioides)

Quelle: bearbeitet aus Stefan.lefnaer - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38187632

 

  • Krainer Feld-Thymian (Thymus pulegioides subsp. Carniolicus): Blätter beidseitig dicht (und lange) behaart, Stängel auch auf den Flächen behaart (wenn auch etwas weniger dicht), Vorkommen an sehr trockenen und kalkhaltigen Standorten (in CH v.a. in inneralpinen Trockentälern und NW-Schweiz)

 

Voralpen-Thymian (Thymus alpestris): Blätter oval bis länglich-oval, kahl (am Grund bewimpert), undeutliche Seitennerven, Stängel nur an den Kanten behaart, stark aromatisch, Vorkommen oberhalb Baumgrenze, selten.

 

Die zwei weiteren Arten der Gruppe (Thymus oenipotanus und Thymus longicaulis) findet man in der Schweiz nur im Wallis (und auch dort nur selten).

Verwendung

 

Blätter / Blüten: als würzige Beigabe / Gewürz, vor allem für mediterrane Gerichte oder im Kräuterbutter (bei gekochten Gerichten immer erst am Schluss dazugeben!), Tee (beim Ziehen unbedingt mit Deckel drauf! Am besten ein Kaltauszug

mögliche Verwechslungen

Echter-/ Gewürz Thymian (Thymus vulgaris)ungiftig / essbar, ähnliche Verwendung

 

Wird vor allem in den Gärten kultiviert und kommt selten im Tiefland (an besonders warmen Standorten) vor. Archäophyt aus Südeuropa.

 

Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • kleiner Halbstrauch

  • kleine, kreuzgegenständige Blätter, die sich in den Stiel verschmälern

  • Blütenstände am Stängelende, kleine Einzelblüten, Kronblätter rosa

  • ähnliche Standorte (kommt jedoch nur im Tiefland vor und verträgt auch etwas Schatten)

 

Unterschiede

  • Duft immer sehr aromatisch (Gehalt an ätherischen Ölen deutlich höher) 

  • Blätter lanzettlich, Blattrand deutlich nach unten gerollt, US dicht weissfilzig behaart

  • Blütenstände kurz

Feld-Thymian / Quendel essbar; Bestimmung / Merkmale / Verwendung; Heilpflanze;  Verwechslung / Unterschied mit dem Echten Thymian

Quelle: zusammengesetzt und bearbeitet aus Salicyna - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=83684386 (Blätter) und Стелиян Касабов / Stelian Kasabov - Own work, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2342829 (Blütenstand)

Quellen

Dietrich Frohne (2021) – Heilpflanzenlexikon, Ein Leitfaden auf wissenschaftlicher Grundlage, 9. durchgelesene Auflage 2021, ISBN 987-3-8047-4200-0 (E-Book)

Dr. Jörg Grünwald und Christof Jänicke (2004) – Grüne Apotheke, das Standartwerk zur Pflanzenheilkunde, 3. Auflage 2021, ISBN 978-3-8338-4541-3

Flora Helvetica für Smartphones und Tablets Version 2.3.1 (2021)

 

Rita Lüder (2018) – Grundlagen der Feldbotanik, Familien und Gattungen einheimischer Pflanzen, 2. Auflage 2022, ISBN 978-3-258-08262-2

Rudi Beiser (2022) – Unsere essbaren Wildpflanzen, Bestimmen, sammeln und zubereiten, ISBN 978-3-440-17466-1

 

Steffen Guido Fleischhauer, Jürgen Guthmann und Roland Spiegelberger (2020) – Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen, 2000 Pflanzen Mitteleuropas, Bestimmung, Sammeltipps, Inhaltsstoffe, Heilwirkung, Verwendung in der Küche, 12. Auflage, ISBN 978-3-03800-752-4.

https://de.wikipedia.org/wiki/Sand-Thymian

https://de.wikipedia.org/wiki/Breitblättriger_Thymian

https://de.wikipedia.org/wiki/Echter_Thymian

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